Darf man das?. Ein Benimmbuch für unterwegs

Katja Alves, Dawn Parisi


Dabei zuzuschauen, wie sich ein Fremder in der Fremde danebenbenimmt, kann einerseits - siehe Borat - ja ziemlich lustig sein. Andererseits ist es natürlich auch etwas befremdlich, chinesische Touristen hierzulande rülpsen zu hören. Auf welch peinliche Art und Weise wir selbst uns im Ausland danebenbenehmen, wissen wir ja zumeist nicht, sonst würden wir es vermutlich auch nicht tun. Zum Beispiel in Marokko einfach so Blickkontakt mit dem anderen Geschlecht aufzunehmen, weil das dort nämlich eindeutig zweideutig gedeutet wird. In Neuseeland wiederum ist Kaugummikauen in der Öffentlichkeit verpönt, und in Thailand wiederum schlagen Frauen die Füße besser nicht übereinander. Diese und andere sachdienliche Hinweise finden sich erst im Anhang zu Stephen Arnotts quellenfreiem Sammelsurium "Du sollst nicht Deine Tante aufessen! Kuriose Sitten und Gebräuche aus aller Welt", das im Hauptteil freilich aus einer ziemlich beliebigen Aufzählung seltsamer Riten aus längst vergangenen Zeiten besteht - als man zum Beispiel in Deutschland noch glaubte, dass lautes Fluchen zu einer Mäuseplage führen würde. Oder bei den Hottentotten in Südafrika einen Knaben mit Fett und Essbarem einrieb, ehe ihn der Stammesälteste anlulute und ihn so zum Mann machte.

Um einiges brauchbarer ist da "Darf man das? Ein Benimmbuch für unterwegs" aus der praktischen Ratgeberreihe des Sanssouci-Verlags, der bereits ähnlich gestaltete Bücher über Baby-, Hunde-und Katzenhaltung herausgebracht hat. Die Autorin Katja Alves beschreibt für die wichtigsten europäischen Reisedestinationen von B wie Belgien bis T wie Türkei, was sich dort jeweils gehört und was nicht. Ihre durchwegs guten Tipps - in Frankreich kein Cola zum Essen, in Kroatien die Krawatte loben etc. - kommen kompetent, gut illustriert und auch recht witzig daher. Manche sind allerdings auch etwas eigenartig. So zeuge es in Österreich angeblich von gutem Geschmack, mit der katholischen Wochenzeitung Die Furche unter dem Arm durch die Straßen zu flanieren. Grüß Gott!

Klaus Taschwer in FALTER 45/2006



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