Dr. Bodingbauers Sammelsurium physikalischer...

Lothar Bodingbauer


Über die Naturwissenschaften ganz allgemein oder physikalische Phänomene im Besonderen Bescheid zu wissen stand hierzulande unter bildungsbürgerlichen Kreisen immer ein wenig unter Nerdismusverdacht. Aber wie es scheint, wird auch wissenschaftliches Wissen langsam salonfähig und partytauglich. Deshalb wohl veröffentlichte der englische Guardian vor ein paar Tagen einen fünf kurze Punkte umfassenden "Dinner Party Guide to String Theory" - damit man mitreden kann, wenn der Smalltalk zufällig auf diese eher komplexen physikalischen Theorien kommen sollte.

Für Partygespräche eignet sich auch so manche Erkenntnis in "Unglaublich einfach. Einfach unglaublich", dem ersten Buch des studierten Experimentalphysikers Werner Gruber, der sich in den letzten Jahren als eine Art Marcel Prawy der Alltagsphysik einen Namen machte. Gruber sinniert über die physikalischen Vorgänge des Kuschelns (auch gerne mit Kuscheltieren) ebenso wie über die Frage, warum bestimmte scharfe Speisen auch dann leicht brennen, wenn sie den Körper verdaut wieder verlassen. Oder er gibt Tipps, wie man einen Sturz aus 6000 Metern Höhe womöglich überleben kann. Dieses mehr oder weniger sinnvolle Wissen - wirklich brauchbar sind zumindest ein paar Kochtipps und die Anleitungen zum Papierfliegerbau - kommt einigermaßen schrullig und originell daher, wenn auch vielleicht nicht so wie vom Autor beabsichtigt. Gewidmet hat der sein eher entropisches Werk übrigens seinen beiden Großmüttern und seiner Mutter.

Grubers Kollege Lothar Bodingbauer wiederum hat sich dem vom Briten Ben Schott ausgelösten Sammelsuriumsboom angeschlossen und ein "Sammelsurium physikalischer Besonderheiten" zusammengestellt, dessen Besonderheit allerdings vor allem darin besteht, dass viele Einträge gar nicht so besonders sind: Querbeet werden da physikalische Schulweisheiten aufgelistet, mehr oder weniger lustige Physikerwitze reproduziert oder die Namen der österreichischen Wissenschaftler des Jahres aufgezählt. Und vollends trivial wird es, wenn Bodingbauer schnell noch zu erklären versucht, warum Albert Einstein bedeutend war.

Klaus Taschwer in FALTER 42/2006



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