Hexen - Mörder - Henker. Die Kriminalgeschichte Österreichs

Anna Ehrlich


Erst im Jahr 1968 wurde in Österreich die Todesstrafe - hoffentlich endgültig - auch im Standrechtsverfahren abgeschafft. Obwohl das etwas verquaste Vorwort der noch amtierenden Justizministerin die Abscheu vor dieser Form des legalen Tötens hervorhebt, lugt in "Hexen - Mörder - Henker" die Faszination an besonders grausamen Verbrechen und Bestrafungen überall hervor. Die Autorin Anna Ehrlich spannt in ihrem Buch den Bogen von der mittelalterlichen Hexenverfolgung bis zu den Vorgängen im Pflegeheim Lainz, nicht immer streng chronologisch und immer wieder unterbrochen durch Exkurse etwa über die Entwicklung im Strafrecht oder die Lebensumstände von Henkern. Ob penibel recherchiert wurde, lässt sich kaum nachvollziehen, denn die Dokumentation erfolgt erstaunlich schleißig. Viel mehr als Gruselgeschichten hat der Amaltheaverlag damit nicht zu bieten.

Sehr viel akribischer gehen es hingegen der deutsche Historiker Hendrik Püstow und der Ripperologe Thomas Schachner an, die mit "Jack the Ripper" die erste originäre deutsche Arbeit über die Vorgänge des Herbstes 1888 im Londoner East End vorlegen. Die beiden Forscher arbeiten genau und erwähnen beispielsweise jene Mordfälle, die nicht zu den kanonisierten fünf Opfern zählen, etwa den bereits im August 1888 verübten brutalen Mord an Martha Tabram oder eine ebenfalls niemals geklärte Serie von grausigen Funden verstümmelter Torsi in oder nahe der Themse. Außerdem gehen Püstow und Schachner nach grafologischen Vergleichen von der Annahme aus, dass sämtliche Ripper-Bekennerschreiben Fälschungen skrupelloser Reporter sind. Wenig Feingefühl beweist hingegen der Abdruck mancher Illustration. Das ein oder andere Tatortfoto hat auch nach 120 Jahren nichts von seinem Schrecken verloren. Hier ist eine Vorwarnung für zarter besaitete Leser angebracht. Schließlich durchsieben die beiden Autoren erneut die leider nicht vollständigen Polizeiakten und unterziehen immerhin 14 Verdächtige einer strengen Abwägung. Überraschend daran ist, dass die Autoren alle Genannten gleichermaßen skeptisch beurteilen, zumindest dem Leser keine Präferenz aufzwingen. Es darf also weiter gerätselt werden.

Martin Lhotzky in FALTER 41/2006



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