A Tribute to Sex Pistols. Fotografien aus der Rex Collection

Jeff Bench


Anarchy in the U.K.

Im November 1976 erschien die erste Single der Sex Pistols. Zum Jubiläum würdigt ein Fotoband die Punk-Überikonen.

Die eine Version der Geschichte erklärt den britischen Punk als Produkt reinen Kalküls. Demzufolge habe ein zynischer Londoner Manager namens Malcolm McLaren aus den interessantesten Versatzstücken des New Yorker Rockundergrounds der mittleren Siebzigerjahre eine Band designt, um mit diesen Sex Pistols seine ganz persönliche Vorstellung von Situationismus in Form eines "Great Rock 'n' Roll Swindle" auszuleben. Die andere Version sieht im Quartett um den charismatischen Sänger Johnny Rotten die bedeutendsten Poprevoluzzer jener Zeit; eine Band, die dem Rock 'n' Roll noch einmal Leben einhauchte, um ihn gleich darauf in Schutt und Asche zu legen.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, wobei es rückblickend egal ist, ob die Sex Pistols durch McLarens Geschick oder durch ihre Musik berühmt wurden. Tatsache ist, dass der britische Punk in all seinem Nihilismus zum bis heute letzten großen Erneuerungsmoment der Rockmusik werden sollte, aus dem nicht nur die vielfältige New-Wave-Kultur, sondern auch die gesamte internationale Independentszene bis hin zum US-Grunge der frühen Neunziger entstehen sollte. Und Faktum ist auch, dass die 1975 gegründeten Sex Pistols diese Bewegung mit einer Handvoll Singles wie "God Save the Queen" und "Holidays in the Sun", einer einzigen LP ("Never Mind The Bollocks, Here's The Sex Pistols"), kaum mehr als einigen Dutzend Konzerten und natürlich einem Rucksack voll geschickt inszenierter Skandale wie niemand sonst geprägt haben.

Am 26. November jährt sich die Veröffentlichung ihrer ersten Single "Anarchy in the U.K." zum dreißigsten Mal. Der aus dem Fundus der unabhängigen britischen Presseagentur Rex Features zusammengestellte Band "A Tribute to Sex Pistols" erzählt ihre Geschichte in Bildern - von ersten Konzerten im Herbst 1975 über den Skandalauftritt in der Bill-Grundy-Show 1976, die Plattenvertragsunterzeichnung vorm Buckingham Palace im März 1977 und Rotten, wie er nach seinem Bandausstieg Anfang 1978 von seiner Mutter am Flughafen abgeholt wird, bis zu den beiden späten Reunions der Band.

Gerhard Stöger in FALTER 40/2006



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