Frühstück in Helsinki

David Schalko


Sex mit dem Ex

David Schalko, bekannt aus Film und Fernsehen, hat einen leidlich lustigen Roman geschrieben.

David Schalko war einmal Sexkolumnist. Dann machte er sich mit der "Sendung ohne Namen" einen Namen, gewann zahlreiche Fernsehpreise und hat jetzt seinen ersten Roman vorgelegt. Er wird in der Ich-Person von einem gewissen David erzählt, der sich als Sexkolumnist durchs Leben schlägt, nicht weiß, wie er die unbefriedigende Affäre mit der Flugbegleiterin Lisa beenden soll und seiner alten Jugendliebe Nina nachtrauert, die ihn vor zehn Jahren verlassen hat. Damals war Nina 16 und David 19. Sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, selbst wenn David sich immer wieder auch der vielen anderen Verflossenen zwischen Nina und Lisa erinnert.
Schalko schreibt schnoddrig und eine Zeitlang ziemlich pointiert über Frauen und Sex. Ausschließlich. Das literarische Niveau erhebt sich dabei selten über das einer Sexkolumne. Als dann auch noch eine der Verflossenen auftaucht, um gemeinsam mit David eine Sexkolumne über Sex mit dem Ex zu verfassen, wird die Sache etwas unübersichtlich und zunehmend absurd, ohne allerdings an Witz zu gewinnen. Auch Davids Reise nach London, wo er nach Nina sucht, ändert daran nichts.
Schalko hat einen flapsigen Roman über die Sehnsucht eines Endzwanzigers geschrieben. Mit locker eingestreuten Zitaten aus Popsongs, etwas Wiener Weinerlichkeit ("Wien ist ein einziger, gemeinsamer Bekanntenkreis."; "Im Ausland versteht man den einzigartigen Wiener Humor nicht."), Partys und Drogen ist daraus einer jener Popromane geworden, die vor zehn Jahren ziemlich hip und vielleicht für Menschen jenseits der Dreißig sogar interessant gewesen wären. Und auch Twentysomethings sind wohl nicht immer dazu aufgelegt, Sätze wie "Eine Frau war für mich nur solange interessant, solange ich sie nicht kriegen konnte" als Bonmot durchgehen zu lassen.

Mag sein, dass sich Schalko über seinen spätpubertierenden David lustig macht. Das macht den Roman leider nicht interessanter. Auf der Suche nach der nächsten Pointe dringt Schalko keinen Millimeter unter die Oberfläche seiner Figuren. Angesichts des rührseligen Endes (Vaterschaft führt zu einer verantwortungsvolleren Lebenseinstellung!) steht zudem zu befürchten, dass der Autor das Ganze doch ernstgemeint haben könnte.

Thomas Askan Vierich in FALTER 40/2006



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