Theorie der Unbildung

Konrad Paul Liessmann


Neoliberale Unbildungsindustrie

Schon vor acht Jahren lieferte Konrad Paul Liessmann eine beißende Kritik am vorherrschenden Bildungsdiskurs ab. Damals stand vor allem die Ökonomisierung und Industrialisierung des Wissens im Zen­trum seiner Polemik. Sie zerstöre das humanistische Ideal von Bildung als "Programm der Selbstformung des Menschen", schrieb er. Die "Millionenshow", der Kenn­ziffernfetischismus des Wissensmanagements und – als dessen Höhepunkt – die Pisa-Studie seien zeitgenössische Auswüchse dieses Trends. Daraus entstehe eine Halbbildung unter neoliberal verschärften Bedingungen, schlussfolgerte Liessmann in Anspielung auf Theodor W. Adornos Text "Theorie der Halbbildung" (1959). Verloren gingen die ursprüngliche Idee von Bildung, Neugier und die Lust an der Erkenntnis. Liessmanns Buch ist ein absolut lesenswertes Zeitdokument. 2006, im Jahr seines Erscheinens, wurde die dritte Pisa-Studie veröffentlicht. Drei Jahre zuvor, 2003, hatte Österreich seinen ersten großen "Pisa-Schock" erlebt.

Barbaba Tóth in FALTER 40/2014



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