Die Philosophie der Physiker

Erhard Scheibe


Boltzmann, Bohr und Co

Kann ein Sachbuch, in dem es streckenweise von Begriffen wie "Spinobservable", "Orthogonalbasis" oder "Lorentz-Mannigfaltigkeit" nur so wimmelt, fesselnd sein? Es kann. Ausgangspunkt für das neue Buch von Erhard Scheibe, Emeritus für Philosophie der Naturwissenschaften an der Universität Heidelberg, ist eine Bemerkung des deutschen Theologen Adolf von Harnack, der einmal meinte: "Man klagt darüber, dass unsere Generation keine Philosophen habe. Mit Unrecht: Die Philosophen sitzen jetzt nur in der anderen Fakultät, sie heißen Planck und Einstein." Neben diesen beiden sind Mach, Boltzmann, Bohr, Pauli und andere die Helden in einem Text, in dem es um "Die Philosophie der Physiker" im 20. Jahrhundert geht.
Neben den Diskussionen um die Quanten- und Relativitätstheorie, denen naturgemäß mehrere Kapitel gewidmet sind, behandelt Scheibe fundamentale Fragen der modernen Physik – wie etwa die Debatte um die Realität der Atome, das Wechselspiel von Theorie und Erfahrung, Bildhaftes in der Sprache der Theoretiker sowie Fortschritt und Einheit der Physik. Scheibe untersucht diese Themen mit einer stupenden Literaturkenntnis, nimmt sich selbst zurück und lässt stattdessen die Hauptdarsteller seines Buches anhand umfangreicher Zitate zu Wort kommen.
Das geschieht mit einer Genauigkeit und Gründlichkeit, die sich angenehm vom populären Sachbuch-Mainstream abhebt. Dass dabei der eine oder andere Textabschnitt etwas technisch ausgefallen ist, nimmt man gerne in Kauf.

Robert Czepel in FALTER 40/2006



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