Kurti Käfers Krabbelkurs. Kinderbuch

Kara Fall, Heide Stöllinger


Warum der Mond einen Schutz vor Sturm und Regen benötigt, sollten Sie so lange nicht hinterfragen, solange Ihre Kleininder das auch nicht tun. Und die finden es für gewöhnlich ganz normal, wenn Angelika Kaufmann in dem hübsch illustrierten Buch "Der Mond" beschreibt, wie ein bis in den Himmel reichender Baum diesbezüglich weit bessere Dienste leistet als ein Hut, ein Regenschirm oder eine Pelerine.

"Kurti Käfers Krabbelkurs" verbindet das Absurde mit einem Hauch von Pädagogik: Zu Heide Stöllingers gediegenen, von der Farbe Rot dominierten Illustrationen erzählt Klara Fall von einer Gruppe kleiner Käfer, die unter Anleitung des Käferlehrers Kurti versuchen, ihre sechs Beinchen sinnvoll zu koordinieren und dabei möglichst nicht am Rücken zu landen. Wenn's doch einmal passiert, ist aber eh Frau Eidechs zur Stelle, um Hilfe zu leisten.

Etwas gar offenkundig ist die pädagogische Absicht im isländischen Kinderbilderbuch "Mama ist die Allerbeste" von Björk Bjarkadóttir. Es erzählt vom zweijährigen Tommi, der sich aus Eifersucht auf seinen ungeborenen Bruder nach einer neuen Mama umschaut, um letztlich doch wieder am Schoß der besten (weil eigenen) Mama zu landen - nunmehr an der Seite des neu geborenen Bruders. Seine Suche ist aber sehr nett zu lesen und führt, einfach und witzig illustriert, kreuz und quer durchs Tierreich, wo Tommi am Euter einer Kuhmama saugt, von einer Tigermama im Maul getragen wird oder an der Seite einer Fischmama durchs Meer schwimmt.

Immer wieder entzückend ist das millionenfach verkaufte Kinderbuch "Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?", in dem ein kleiner Hase und seine Mutter einander vorm Schlafengehen mit gegenseitigen Liebesbekundungen übertrumpfen. Die von Hans Dieter Mairinger in "österreichischer Umgangssprache" verfasste Mundartversion "Waßt üwahaupt wia gern i di hab?" wäre allerdings nicht nötig gewesen. Sprachlich ein seltsamer Hybrid diverser heimischer Dialekte, irritiert es eine halbwegs gepflegte Schriftsprache gewohnte kleine Zuhörer ebenso wie den Vorleser.

Gerhard Stöger in FALTER 39/2006



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