Mord in Londinium

Lindsey Davis, Susanne Aeckerle


In Rom herrscht Kaiser Vespasian, und Marcus Didius Falco, der von Lindsey Davis geschaffene abgebrühte Privatermittler mit Herz und Familie, will von seinem letzten Auftrag in Südbritannien nach Hause. Leider stolpert er auf dem Weg bei einem "Mord in Londinium" nicht nur über mehrere Tote, eine Exgeliebte und ein Straßenkind, sondern auch über die Schattenseiten der römischen Zivilisation im keltischen England - aus Italien importierte Bandenkriminalität.
Daheim in Rom dann muss Marcus Didius Falco für abgefeimte Anwälte den "Tod eines Senators" untersuchen. Einem Urteil entzog sich jener Herr scheinbar durch Selbstmord, vielleicht aber haben ihn auch sein Sohn oder seine Frau des Erbes wegen ermordet. Falco enthüllt bald das abgekartete Spiel der Rechtsverdreher und deckt nebenbei noch ein Familiengeheimnis auf. Beide Romane, in kurzer Folge auf Deutsch erschienen, sind etwas langatmig geraten, aber wenn man dem hard-boiled Stil immer noch etwas abgewinnen kann, über weibliche Gladiatoren und manchen Druckfehler hinwegsieht, präsentiert Davis recht passable antike Unterhaltung.
Altertümer allüberall: In "Totgeglaubte leben länger", ihrem achten Roman um die Gerichtspathologin Temperance Brennan, will uns Kathy Reichs weismachen, für die fiktive Glaubensgestalt Jesus könne es archäologische Beweise geben. Wohl von der grassierenden Jesu-Blut-und-Erben-Welle inspiriert (die Originalfassung "Cross Bones" erschien 2005), konstruiert sie um ein paar tatsächlich in Masada und bei Jerusalem entdeckte Skelettreste einen hanebüchenen Fall von illegalem Reliquienhandel und schickt die Pathologin und ihren Polizistenfreund nach Israel. Nicht allein deren mangelnde Zuständigkeit, auch die überschätzten Möglichkeiten der DNS-Analyse machen den Roman zu einem Ärgernis, das durch die schlechte Übersetzung noch verschärft wird: Nicht jede Katze heißt Muschi, schon gar nicht, wenn auf Englisch keine "pussy" vorkommt.Die Secession hat den 75. Geburtstag von Oswald Oberhuber heuer schon mit einer Ausstellung gefeiert. Der Springer Verlag brachte parallel den Bildband "Kunsterfindungen" zu den grafischen Arbeiten des aus Südtirol stammenden Künstlers heraus. Oberhuber liebt die Collage: Kinderzeichnungen, Röntgenbilder, Pin-ups und kunsthistorische Bilder finden Eingang in diese mit stiller Freude komponierten Papierarbeiten, die manchmal an Dada, dann wieder an die Wiener Gruppe denken lassen. Oft fließen Texte oder Zahlenreihen ein; Oberhubers Kunstbegriff ist jedoch zu lakonisch, um große Botschaften oder Gesten zuzulassen. Die begleitenden Texte feiern den Künstler als Anreger zahlloser Initiativen und lokalen Helden, dem Peter Weibel, Dieter Ronte oder Christa Steinle erklären: "Ossi, we love you".

Martin Lhotzky in FALTER 33/2006



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