Das große Agatha Christie Buch. Ihr Leben und ihre Romane von A bis Z

Dawn B. Sova


Fußballweltmeisterschaften sind auch für den Kriminalroman ein geeignetes Spielfeld, als Beispiel sei ein historischer Fall erwähnt. Für das Endspiel Deutschland gegen England wird ein Besucherrekord vorausgesagt, also plant Grebbs Bande, den Transporter mit den Tageseinnahmen auszurauben. Das eigentliche Hirn, genannt "Delphin", bleibt im Hintergrund, ein Reporter auf der Strecke. Kommissar Varney ermittelt, weiß aber vorerst nur eins: "Der Mörder saß im Wembley-Stadion". Dies alles spielte im Jahre 1966 - England wird Weltmeister, der Delphin verhaftet.

Fast spannender noch als der Roman selbst ist dessen Geschichte. Zuerst 1967 unter dem Pseudonym Hans Walldorf in der DDR publiziert, wurde das Buch ein großer Erfolg im Osten, Übersetzungen erschienen auch in den sozialistischen Bruderstaaten. Nach der Übersiedelung von Autor Erich Loest in den Westen kam es 1985 zu einer Neuauflage im Fischer Verlag. Nun anlässlich der WM 2006 kommt eine dritte, stark veränderte Version bei Steidl heraus. Zum Beispiel wurden einige Schauplätze berichtigt, Vorortrecherche war 1967 undenkbar gewesen. Erich Loest lebt mittlerweile wieder in Leipzig. Bereits für die Ausgabe bei Fischer hat er ein bitteres Nachwort verfasst, nun harrt seine Serie um Kommissar Varney und Privatdetektiv Oakins einer Wiederentdeckung.

"Das große Agatha Christie Buch" hingegen ist eher enttäuschend ausgefallen. Die Übersetzung durch Tatjana Kruse erscheint zehn Jahre nach dem Original des lexikalischen Bandes (400 dichtbedruckte Seiten) von Dawn B. Sova und bietet auf gerade 200 Seiten mit Inhaltsangaben aller Erzählungen der Queen of Crime bloß noch ein Grundgerüst. Nicht einmal ein Index ist vorhanden. Nur wenige der Hinweise auf die Biografie der Autorin, auf Charaktere oder Verfilmungen wurden in die deutsche Ausgabe übernommen, einzig die Auflistung der Übersetzer ins Deutsche und ein Titelverweisregister sind neu hinzugekommen. Da greift man lieber auf die amerikanische Fassung zurück, die auch noch Bilder enthält.Es sind die Momente, von denen jeder Fotoreporter träumt. Zufall spielt dabei eine noch größere Rolle als Können: Der Bildband "Photos That Changed the World" stellt eine Aufnahme des brennenden San Francisco nach dem Erdbeben von 1906 an den Anfang. Der Großteil der Fotografien hält tragische Ereignisse fest. Darunter Pulitzer-Preis-Fotos, wie die von Eddie Adams festgehaltene Erschießung eines Vietcong im Jahr 1968 durch einen südvietnamesischen Polizeichef. Der begleitende Text klärt über die amerikanische Propagandapolitik auf, die der Wirkung dieses als Antivietnamkriegsdokument berühmt gewordenen Fotos gegensteuerte. Erfreulichere Momente: Charles küsst Diana, Armstrong trottet über den Mond, Pelé macht Brasilien zum Weltmeister.

Martin Lhotzky in FALTER 24/2006



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