Vor uns die Sintflut. Depeschen von der Klimafront

Elizabeth Kolbert, Thorsten Schmidt


Es vergeht keine Woche ohne neue Erkenntnisse über die globale Erwärmung und ihre Folgen. Gletscher und Eisschilde tauen schneller ab, als die Prognosen erwarten ließen, Stürme nehmen zu, Arten sterben aus. Obgleich keines dieser Bücher dem Schicksal entgeht, bei Erscheinen schon wieder ein wenig veraltet zu sein, bleibt die Botschaft aktuell: Nicht Terrorismus, Arbeitslosigkeit oder Kindermangel werden die zentralen Probleme des 21. Jahrhunderts sein, sondern der Klimawandel. Elizabeth Kolbert ist zu den Schmelzpunkten nach Grönland, Alaska und Island gereist. Nüchtern beschreibt sie in "Vor uns die Sintflut", wie sich die Niederlande auf den Anstieg des Meeresspiegels einstellen oder wie die Umweltsprecherin des US-Präsidenten jede Frage mit der gleichen Leerformel beantwortet. Als Dreiteiler im New Yorker vor einem Jahr war ihre Reportage bahnbrechend. Inzwischen wird sie selbst schon vom US-Mainstream übertönt: Vom Time-Cover schreit ein einsam auf einer Eisscholle treibender Eisbär: "Alarm!" Und so wird Kolberts Buch zu einem Dokument aus den Tagen, bevor die verschwenderischste Nation des Globus umzudenken begann.

Tim Flannery ist da geschickter vorgegangen. Der australische Zoologe entwirft ein vielschichtiges Panorama der Klimafolgenforschung und stellt auch unkonventionelle Überlegungen dazu an. Zwar bläst der Flugverkehr massiv Kohlendioxid in die Atmosphäre, doch wo hat man schon gelesen, dass die Kondensstreifen zur Wolkenbildung beitragen und damit für Abkühlung sorgen? Flannery warnt, dass wir die Erdöl-und Kohleförderung schon deshalb stark reduzieren sollten, weil die Menschheit diese Vorräte dringend brauchen wird, wenn die derzeitige Warmzeit endet, um dann mit dem Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre die nächste Eiszeit erträglich zu machen. "Wir Wettermacher" ist, so viel lässt sich schon sagen, sicher eines der besten Sachbücher des Jahres. Und es wird gewiss auch noch 2007 aktuell sein.

Stefan Löffler in FALTER 23/2006



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