Neue Intelligenz. Warum wir durch Computerspiele und TV klüger werden

Steven Johnson, Violeta Topalova


Schlau durch Glotze

Fernsehen und Computerspiele machen dumm? Falsch, meint der Autor Steven Johnson, der mit einem neuen Buch den Gegenbeweis antritt.

Eltern, Lehrer und Familienminister haben es schon immer gewusst: Das Fernsehen macht dumm, und wer zu viel Zeit mit seiner Spielkonsole verbringt, muss sowieso unwiderruflich verblöden. Steven Johnson aber weiß es besser. In seinem Buch "Neue Intelligenz - Warum wir durch Computerspiele und TV klüger werden" tritt der amerikanische Autor und Wired-Redakteur mit ein paar schlauen Argumenten den Gegenbeweis an.

Im englischen Original ist Johnsons Buch bereits im Vorjahr unter dem Titel "Everything Bad Is Good for You" erschienen, seit kurzem ist es auch auf Deutsch erhältlich. Johnsons Hauptthese lautet: Die elektronischen Massenmedien erfordern vom Konsumenten in Wahrheit eine ganze Menge an kognitiver Arbeit. Dabei bestreitet der Vater zweier Kinder gar nicht, dass Computerspiele manchmal eine bescheuerte Handlung haben. Nur dürfe man die Spiele eben nicht mit den gleichen Maßstäben messen, mit denen man etwa Bücher beurteilt. Stattdessen gehe es bei komplexen Games darum, erst einmal die Struktur und Ordnung einer Spielwelt zu verstehen und das Gelernte dann richtig anzuwenden. Wie etwa bei Rollenspielen oder Adventures, wo man erst dahinterkommen muss, wie bestimmte Rätsel zu knacken sind. Zudem seien die Spiele seit Pacman-Zeiten viel komplizierter geworden und erforderten entsprechende Lösungsstrategien. Ähnlich argumentiert Johnson beim Fernsehen. Im Vergleich zu alten TV-Serien seien neuere Shows wie die Simpsons oder die Sopranos vielschichtiger aufgebaut. Der Zuschauer müsse dabei soziale Netzwerke mit zig Personen verstehen und verschachtelten Handlungssträngen folgen, die oft nicht innerhalb einer Folge, sondern erst viel später abgeschlossen werden. Vor zwanzig Jahren, meint der Autor, hätten solche Erzählstrukturen das TV-Publikum wohl ziemlich überfordert.

"Neue Intelligenz" ist flott und erfrischend subjektiv geschrieben, auch wenn sich Johnsons Argumente zwischendurch wiederholen. Letztendlich ist das Buch vor allem aber ein Plädoyer für einen vernünftigen Umgang mit den neuen Medien. Und allen, die Games und Glotzen eh schon immer super fanden, liefert es endlich ein paar wirklich gutdurchdachte Gründe für ihr liebstes Hobby.

Thomas Prilic in FALTER 22/2006



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