Die heißen Jahre. 1970-1980

Peter Zadek


Die meisten Theaterregisseure können von Glück reden, wenn zu Lebzeiten ein Buch über sie publiziert wird. Von und über Peter Zadek jedoch wurden bereits mehrere Bücher geschrieben, und rechtzeitig zum achtzigsten Geburtstag des deutschen Regisseurs (am 19. Mai) sind nun zwei weitere erschienen. Zadek selbst veröffentlichte unter dem Titel "Die heißen Jahre", acht Jahre nach "My Way", den zweiten Band seiner Memoiren, in dem die Siebzigerjahre behandelt werden. (Wenn das in diesem Tempo weitergeht, ist das Projekt in cirka zwanzig Jahren abgeschlossen.) Im gewohnt schnoddrigen Plauderton erzählt Zadek über seine Jahre als Intendant in Bochum (als dort kurze Zeit auch Rainer Werner Fassbinder inszenierte) und über seine berühmte "Othello"-Inszenierung (1976 am Hamburger Schauspielhaus), über seine langjährige Tablettensucht und über die Tournee, die er 1979 für Udo Lindenberg ("Dröhnland Symphonie") inszenierte. Manchmal ist das Buch unangenehm indiskret - zum Beispiel vergisst Zadek bei keinem der erwähnten Künstler eventuelle gleichgeschlechtliche Neigungen anzuführen ("dieser jüdische, homosexuelle Intellektuelle" etc.) -, manchmal gerät es auch unerträglich großkotzig. Interessant ist es natürlich trotzdem, und zwischendurch kann man sich an hübschen Gemeinheiten gegen Kollegen erfreuen. Beispiel: "Boy Gobert war ein sehr profilierter Schauspieler, der sich als Nachfolger von Gustaf Gründgens sah, es aber nicht war."

Das zweite neue Zadek-Buch ist die von Klaus Dermutz herausgegebene Geburtstagshommage "His Way". Neben vielen Fotos aus dem Leben und Schaffen des Jubilars enthält der Band Textbeiträge von rund zwanzig Freunden, Kollegen und Weggefährten, von Luc Bondy bis Ivan Nagel, von Angela Winkler bis Zadeks Hausarzt Thomas Meisl. Der Dramatiker Tankred Dorst etwa erinnert sich an eine Zadek-Inszenierung aus den Sechzigerjahren in Ulm, als am Ende der Vorstellung der halbe Zuschauerraum in Rauch gehüllt war. "Ein kühner, für Peter Zadek typischer Schluss für dieses realistische Drama. Später erfuhr ich, dass es ein Versagen der Technik war, die Nebelmaschine ließ sich nicht ausschalten."

Wolfgang Kralicek in FALTER 20/2006



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