Kurt Gödel und die Mathematische Logik. Europolis 5

Werner DePauli-Schimanovich


Verglichen mit dem fast genau fünfzig Jahre älteren Sigmund Freud fällt die Ausbeute der Buchneuerscheinungen über Kurt Gödel bescheiden aus - was wohl auch daran liegt, dass die Leistungen des Logikers um einiges schwieriger zu vermitteln sind. Die einzige ganz neue Biografie stammt von Rebecca Goldstein, die in Princeton Philosophie studiert und Gödel sogar einmal live auf einer Gartenparty erlebt hat. Diese Vorqualifikation Goldsteins ist eine Stärke, aber auch eine gewisse Schwäche des Buches: Ihre Darstellung des Unvollständigkeitstheorems und seiner Vorgeschichte ist für Normalverbraucher mitunter etwas sehr anspruchsvoll, aber nicht wirklich zuverlässig; das Biografische kommt einigermaßen zu kurz.

So wie Goldstein ist auch Palle Yourgrau Philosophieprofessor in den USA. Während bei seiner Kollegin die von wechselseitiger Missachtung geprägte Beziehung zwischen dem hyperintrovertierten Gödel und dem extraextrovertierten Wittgenstein ein Zentrum bildet, dreht sich in seiner Doppelbiografie "Gödel, Einstein und die Folgen" alles um die ungewöhnliche Freundschaft dieser so unterschiedlichen Geistesgiganten in Princeton. Yourgraus Darstellung ist um einiges zugänglicher und informierter als die Goldsteins, auch wenn sie ein am Ende etwas aus dem Rahmen fallendes Anliegen hat: Gödels Ideen gegen rezente Kritiker zu verteidigen.

Das österreichische Originalgenie Werner DePauli-Schimanovich wiederum hat sich bereits seit den späten Siebzigerjahren als Wiederentdecker Gödels verdient gemacht. Der Begründer der internationalen Kurt-Gödel-Gesellschaft war an insgesamt vier Büchern und einem Film über den Jubilar mitbeteiligt und publizierte zu allen möglichen Anlässen Biografisches, Philosophisches und Logisches über den Schöpfer des Unvollständigkeitstheorems. Diese Arbeiten sind - inklusive zahlreicher Gödel-Fotos - mehr oder weniger vollständig in "Kurt Gödel und die Mathematische Logik", dem 5. Band von Schimanovichs gesammelten Werken, nachgedruckt.

Klaus Taschwer in FALTER 17/2006



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