Index. Der Vatikan und die verbotenen Bücher

Hubert Wolf


Gefährliche Bücher

Hubert Wolf recherchierte in den Archiven des Vatikans, warum bestimmte Druckwerke auf den Index kamen.

Schwarze Listen gibt es viele. Schon der altrömische Diktator L. Cornelius Sulla (gestorben 78 v. u. Z.) sorgte für den öffentlichen Aushang von Proskriptionslisten politischer Gegner. Die Proponenten des zweiten Triumvirats ließen sich in dieser Hinsicht auch nicht lumpen. Für die Betroffenen zwar sehr oft lebensgefährlich, blieben diese Listen dennoch Episode.

Erst eine zeitenübergreifende Institution wie die Kirche konnte an dauerhafte schwarze Listen denken, deren bekannteste wohl diejenige der verbotenen Bücher, der Index librorum prohibitorum, darstellt. Die für Katholiken verbindliche Aufzählung der bei Zuwiderhandlung mit Verlust des ewigen Seelenheiles bedrohten, nicht zu lesenden Werke wurde erst 1966 für obsolet erklärt. Während das Verzeichnis seit seiner Einführung im 16. Jahrhundert immer schon der Öffentlichkeit zugänglich war, blieben die Beweggründe seiner jeweiligen Zusammenstellung in den Archiven des Vatikans eher verschlossen.

Seit 1992, also bereits Jahre vor der offiziellen Öffnung 1998, konnte der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf mit Erlaubnis Joseph Ratzingers - damals Präfekt der Glaubenskongregation (vulgo Inquisition) - in den Beständen stöbern. Ein Teil seiner Forschungsergebnisse erschien nun unter dem Titel "Index. Der Vatikan und die verbotenen Bücher".

Nach einer kurzen Einleitung und sehr vage gehaltenen Gedanken über Zensur im Allgemeinen geht der Historiker der Geschichte des Index nach, dessen erste päpstliche Ausgabe 1559 erschien. Der Zeitpunkt der Entstehung hängt mit der Verbreitung des Buchdrucks zusammen. Auch davor gab es selbstverständlich Bücherverbote, aber die wenigen vorhandenen, meist handschriftlichen Exemplare konnte man getrost alle einsammeln und gegebenenfalls zusammen mit dem Verfasser den Flammen überantworten - eine Praxis, die man allerspätestens im 19. Jahrhundert nicht mehr anstrebte, behauptet zumindest Wolf.

Der Autor bestätigt auch den Verdacht, dass neben einer speziellen Buchbehörde auch die römische Inquisition stets Schriftliches in den Katalog aufnehmen ließ, wenngleich in jedem Fall nach mehr oder minder streng gehandhabten Verfahrensregeln. Zu den Aufgaben der Zensurbehörde zählten im Übrigen sowohl die Korrektur wissenschaftlicher Irrtümer (was immer das heißen mag) als auch grammatikalischer oder orthografischer Fehler.

Der umfangreiche zweite Teil des Buchs widmet sich dann erstaunlichen Einzelfällen. Dass Heinrich Heines Werke zum größten Teil für Katholiken verbotener Stoff waren, erklärt sich aus der allgemein religionsfeindlichen Haltung des Dichters. Auch die Namen widerspenstiger Theologen verblüffen nicht, da wurde wohl die ein oder andere interne Zwistigkeit unter konkurrierenden geistlichen Orden ausgefochten.

Mit den Beiträgen zu Knigges "Über den Umgang mit Menschen", zu Harriet Beecher Stowes "Onkel Toms Hütte" oder zum Spätwerk Karl Mays (dessen Winnetou auch von katholischen Landpfarrern zu Beginn des 20. Jahrhunderts als gutes Jugendbuch empfohlen wurde) vermag Hubert Wolf dennoch zu überraschen und einige unerwartete Einblicke in die Geisteswelt der päpstlichen Behörden ihrer Zeit zu geben.

Weitere Detailforschungen werden vom Autor angekündigt, womöglich auch zum Thema "Index und NS-Ideologie". Immerhin stand Hitlers "Mein Kampf" nie auf der Verbotsliste.Soldaten Gottes

Ein Jurist und ein Journalist fahnden nach den Spuren der Tempelritter in Österreich.

Von Burg zu Burg in Österreich", ein Donauland-Klassiker von Gerhard Stenzel, schildert die Sage von Burg Lockenhaus. Dort sei nach wie vor ein Kultraum der geheimnisumwitterten Mönchskrieger vorhanden, die sogenannte Templerbluthalle, wo noch bis vor kurzem ein angeblich immer wiederkehrender Blutfleck stolz präsentiert wurde. Und etliche Tempelritter seien bei der Verteidigung des Orts von Ungarn oder Mongolen gemeuchelt worden.

Urkundliche Belege für die Anwesenheit von Tempelrittern im östlichen Teil des alten Reichs gibt es hingegen kaum. Die Wahrscheinlichkeit für solche Funde ist auch nicht wahnsinnig hoch. Aber man wird ja noch nach Spuren suchen dürfen, dachten sich Ferdinand Neundlinger und Manfred Müksch, der eine Jurist, der andere Redakteur. Ganz recht, man darf!

Immerhin haben die nicht als Historiker ausgebildeten Verfasser sich der Mühe unterzogen, einige mittelalterliche Urkunden einzusehen, und sind mehreren Fährten gefolgt, mitunter bis nach Frankreich und Schottland. Jeder unbeschriftete mittelalterliche Grabstein, jedes Tatzenkreuz im frischen Verputz gotischer Kirchen, jede Erwähnung eines Soldaten Gottes ("Miles Dei") wird zum Hinweis auf die Anwesenheit der Templer in Österreich.

Die Autoren deuten an, dass man Forschung Hindernisse in den Weg lege. Wer ein Interesse an solch einem Boykott hätte, wird aber nicht so ganz klar. Sich eingeweiht Glaubende zwinkern einander wohl jetzt schon zu; und gewisse katholische Institutionen wie Opus Dei und Opus Angelorum sind aber sowieso immer hauptverdächtig. Bevor mysteriöse Vorkommnisse die einzelnen Stationen verschwinden lassen, sollte man den Reiserouten von Neundlinger und Müksch ja vielleicht doch folgen. Die beiden Autoren bieten dazu allerlei Tipps - etwa für Znaim: "Gastronomie preiswert und reichlich vorhanden, wenn man nicht anspruchsvoll ist."

Martin Lhotzky in FALTER 11/2006



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