Wer einmal Gutes tut. Ein Glasgow-Krimi

Manda Scott, Leo Strohm


Wenn an der Nähmaschine sitzende Mütter von ihren Söhnen gefragt werden, ob sich Homosexuelle eventuell Zusatzhoden implantieren lassen würden, "um sich den Ruf einer Kuriosität im Darkroom zu erwirtschaften", dann liegt der Schluss nahe, dass Max Goldt seine Finger im Spiel hat. Finden sich dergleichen Sätze auch noch in schäfchenwölkchenartigen Sprechblasen, kann man sicher sein, dass auch Stephan Katz mit von der Partie ist. Als "The duo who does what duos should do" haben Katz und Goldt eine Welt erschaffen, die der unsrigen verdammt ähnlich sieht (gefüllte Biergläser und erigierte Glieder aller Orten), aber doch um Vieles lustiger ist - wofür nicht zuletzt die singenden Biber verantwortlich sind.Bei einer verdeckten Operation der schottischen Polizei läuft einiges schief. Ein Agent und zwei Nutten sterben, in Notwehr erschießt Detective McLeod drei Gangster, aber deren Boss entkommt. Die Aktion wird abgebrochen, doch McLeod adoptiert den neunjährigen Sohn eines der toten Mädchen. Das hätte sie lieber bleiben lassen sollen, wie schon der Romantitel "Wer einmal Gutes tut" andeutet, denn nicht nur der Gangsterboss kann sie so aufspüren, auch ihre Vergangenheit in Belfast holt sie und ihre Familie ein. Manda Scott, sonst bekannt für historische Romane um blutrünstige Keltinnen, verquickt in diesem Thriller Nordirlandkonflikt, Drogenhandel und Prostitution, was zwar packend und glaubhaft erzählt, aber doch auch ein bisschen zu viel des Guten ist.

Nahezu ewig braucht es dafür, bis die Handlung von "Wer die Toten weckt" in die Gänge kommt. Inspector Fleming ist nicht nur Polizeichefin von Galloway, sie betreibt auch nebenbei eine kleine Farm. Als eine Seuche in der Gegend ausbricht, entdeckt man beim Ausheben von Gruben für die Tierkadaver eine menschliche Leiche, die vor zwanzig Jahren ermordet wurde. Farmbesitzer und Rinderzüchter mit gewaltigen psychischen Störungen sind die Hauptverdächtigen. Aline Templeton bietet dann eine etwas hanebüchene Erklärung an, bei der man am besten an Trolle, Kobolde und den Minotaurus glaubt, soll das ganze plausibel sein.

Auch Detective Grace zieht schon mal gerne ein Medium hinzu, wenn er an einen Fall herangeht (und dass man an Wünschelrutengänger glaubt, wird auch vorausgesetzt). Diesfalls geht es um einen Bräutigam, der am Polterabend aus Jux lebendig begraben wurde. Die Zeit läuft auch deshalb davon, weil der einzige, der den Ort des Grabes kennt, selbst auf die Braut und die Firmenanteile seines Partners scharf ist, also keinen Anlass hat, zur Auffindung beizutragen. Peter James bringt mit "Stirb ewig" einige neue nicht unspannende Wendungen in das alte, seit Edgar Allen Poe beliebte Thrillergenre des lebendig Eingemauerten.

Martin Lhotzky in FALTER 10/2006



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