Moonage Daydream. The Life and Times of Ziggy Stardust

David Bowie


Soeben wurde David Bowie mit einem Grammy für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Unsterblich gemacht hatte sich der britische Ausnahmekünstler freilich schon mehr als drei Dekaden davor: Als Ziggy Stardust schenkte er der verblüfften Popwelt 1972 mit seiner Band, den Spiders from Mars, nicht nur eine sensationelle Schallplatte, Bowie schuf mit dem androgynen Wesen von einem fremden Stern auch die schillerndste Figur des Glam Rock. Mick Rock hat ihn in dieser Zeit permanent mit der Kamera begleitet, in einer äußerst großzügigen Auswahl (ca. 600 Fotos!) zeigt der Fotograf jetzt die vielen Gesichter des Ziggy Stardust auf, unter, hinter der Bühne; Bowie selbst steuert persönliche Erinnerungen bei.Wer von Dan Browns Geheimnissen immer noch nicht genug hat, der wird sicher auch mehr über die Hintergründe seiner Fiktionen erfahren wollen. Bei dieser Art von Informationsbeschaffung sollte man nicht auf weitere US-amerikanische Spinner hereinfallen, die vorgeblich alles entschlüsseln, sondern stattdessen den seriösen Journalisten Marie-France Etchegoin und Frédéric Lenoir Vertrauen schenken. In ihrem Gemeinschaftswerk "Das Geheimnis des Da-Vinci-Code" nehmen sie Literaturwissenschaftlern unter anderem die Mühe ab, Herrn Brown nachzuweisen, dass das große Geheimnis seines Romans "Sakrileg" aus dem Verschwörungsklassiker "Der Heilige Gral und seine Erben" stammt. Die beiden Franzosen fielen bei ihrer Nachforschung zwar angeblich selbst von einer Überraschung in die andere, dennoch erfährt man viel Fundiertes zu Opus Dei und Prieuré de Sion, den Schriftrollen vom Toten Meer oder zur Mona Lisa. Dass der Albigenserkrieg ins 8. Jahrhundert verlegt wird, mag an der äußerst schludrigen Übersetzung liegen - wir wollen hier keine Verschwörung vermuten.

Hermetismus wird zwar auch gerne mit mysteriösen Gesellschaften in Verbindung gebracht. Aber wie Florian Ebeling in "Das Geheimnis des Hermes Trismegistos" meint, ging es dabei weniger um eine verschworene Sekte als um eine philosophische Strömung, die von metaphysischen Grundannahmen gespeist wurde und sich immer wieder veränderte. Über die Jahrhunderte gesellten sich dem Hauptstrom Nebenflüsse zu, wie Alchimie, Schwärmerei oder Pietismus. Schließlich mündet die schon im Altertum dem Gott Hermes zugeschriebene Lehre in so unterschiedlichen Denkschulen wie Esoterik, Neuheidentum oder - auf der linken Reichshälfte - den anarchischen Gedankengebäuden Umberto Ecos. Ebelings sehr knappes, übersichtliches Werk - inklusive Zeittafel, in dem er selbst um eine neue Definition des schillernden Begriffes bemüht ist - kann im Mozartjahr im Übrigen auch vor wild wuchernden Spekulationen um Freimaurer und Zauberflöten schützen.

Martin Lhotzky in FALTER 7/2006



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