Stars!. Fotografien aus den fünfziger und sechziger Jahren

Peter Basch


Der aus Berlin gebürtige, in Wien aufgewachsene und in die USA emigrierte Peter Basch hat die Kinostars der Fünfziger- und Sechzigerjahre fotografiert. Um seinen neuen Fotoband vorzustellen, besuchte Basch unlängst Wien.

"Die Kamera bezeugt visuelle Fakten

im Sein ist das alles vielleicht nur Fiktion."

W.H. Auden: "Ich bin keine Kamera"

Besonders günstig", erinnert sich Peter Basch, "habe ich mit der Bardot gearbeitet. Dabei war sie ein schwieriger Mensch. Als ich nach Haus gekommen bin, sagte ich zu meiner Frau: Sie hat schlechte Manieren und schlechte Haut.' Das ist für mich das Todesurteil."

Peter Basch hält Audienz im Café Landtmann. Wann immer der Fotograf, der seit bald sechzig Jahren in New York lebt, auf Besuch nach Wien kommt, findet man ihn dort. Sofort werden neue Bekanntschaften gemacht, werden der gehetzte Ober, ein paar Touristen, die Ausschau nach einem freien Platz halten, zuletzt auch der Herr vom Nebentisch, übrigens Schriftsteller, ins Gespräch verwickelt: "Haben Sie eine Geschäftskarte?" Anlass für die jüngste Wienreise ist die Präsentation von "Stars!", eines voluminösen Bildbandes mit Fotografien aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren - und seit Jahrzehnten Baschs erster, der in einem deutschen Verlag erscheint.

Sein eigentliches Metier war der Glamour und Basch der Mann, dem die Stars vertrauten. Als er Anfang der Siebzigerjahre sein Atelier in New York schloss, hatte er mit so ziemlich allen Größen des Showbusiness der Fifties und Sixties gearbeitet - oder sie überhaupt erst dazu gemacht. "Als ich 1951 zum ersten Mal nach Hollywood geschickt wurde, hat man mir die junge Anita Ekberg, Jayne Mansfield und Kim Novak als Aufgabe gestellt. Natürlich ist mir der Erfolg, den Publicity, Glück und gute Rollen ihnen bescherten, später auch selbst zugute gekommen, und ich bin als Fotograf, der Nachwuchstalente aufspürt, fotografiert, präsentiert, bekannt geworden."

Der lässige Charme, der aus seinen Porträts internationaler Celebrities aller Art spricht, wurde Basch, anno 1921 in Berlin geboren, sozusagen in die Wiege gelegt. Schon seine Eltern waren berühmt. Vater Felix begann als Schauspieler, wirkte im Film wie auch auf der Bühne, davon zehn Jahre lang am Burgtheater. In ganz Wien nur als "der schöne Basch" verschrien, wechselte er, um ernst genommen zu werden, zur Filmregie: drehte neben allerlei Dutzendfilmen (à la "Der Hund mit dem Monokel") schwere literarische Stoffe (wie "Stein unter Steinen" - nach dem gleichnamigen Drama von Hermann Sudermann, 1916), mit Stars wie Paul Wegener ("Die Geliebte Roswolskys", 1921), Asta Nielsen, Käthe Dorsch und Arnold Korff ("Fräulein Julie", 1922). Mutter Grete, gebürtige Freund, zählte zu den beliebtesten Chanteusen ihrer Zeit und kreierte etliche Hauptrollen in Operetten etwa von Victor Leon, Franz Lehár ("Fürstenkind") oder Leo Fall (die rote Lisl in "Der fidele Bauer"). Gelegentlich trat sie auch zusammen mit ihrem Großneffen auf, dem allerersten Popstar unter den Tenören, Richard Tauber.

Es sind Geschichten wie aus "1001 Nacht", die Peter Basch über seine Jugend zwischen Berlin, Wien und Bad Ischl erzählt. "Sobald der Anton Kuh an unsern Tisch beim Zauner kam, schickte mein Vater mich Wasser holen. Ich musste es immer besonders lang ablaufen lassen, weil er sein Kind dem, was Kuh so zum Besten gab, lieber nicht aussetzen wollte." 1933 wars mit der Operettenseligkeit vorbei; im April emigriert die Familie nach Amerika. "An eine Rückkehr nach Österreich war nicht zu denken", ist Basch heute überzeugt, "denn obwohl mein Vater mit Zwei Krawatten' ( Ein Spiel mit Dollarmillionen und Frauenherzen') gerade den ersten deutschen Musicalfilm und mit Der große Gabbo' (mit Erich von Stroheim) die erste Synchronisation von einem amerikanischen Film überhaupt gemacht hatte, bekam er nun kein Engagement mehr in Wien. Man war äußerst freundlich - und hat ihm keine Arbeit angeboten, weder am Theater noch beim Film."

Seine ersten Fotos schießt Basch, damals zwölf, mit einer Kodak-Faltkamera, die ihm eine Tante vererbt hat: vom Empire State Building, der George Washington Bridge, die beide noch jünger sind als er. Das neue Hobby wird goutiert. "Mein Vater war der Meinung, dass man als Jude einen Beruf erlernen sollte, der einen nicht an die Sprache bindet. Er hat sich die Bilder angeschaut und gesagt: Du hast einen guten Blick. Also mach weiter. Wenn du einmal, durch Umstände, die man nicht voraussehen kann, in Shanghai landest, möchte ich wissen, dass du wenigstens dein Brot verdienen kannst.'" Felix Basch weiß, wovon er spricht. Ende der Dreißigerjahre wird er jüdische Neuankömmlinge in New York mit Englischvorträgen unterhalten ("Als Greenhorn in Amerika"), um seine Familie durchzubringen. Mutter Grete versucht sich einmal sogar als Gastronomin, doch Grete's Viennese Restaurant, dem Emigrantentreff im Hotel Navarro am Central Park South, ist nur kurzes Leben beschieden.

Basch jr. geht in England zur Schule, absolviert ein Lehrjahr im Studio Dax in Paris und darf dem Regisseur G.W. Pabst bei den Dreharbeiten seines Films "Jeunes filles en détresse" (ein Remake von "Mädchen in Uniform") assistieren. 1939 fährt er nach New York zurück und verdient sich als Kinderfotograf die ersten Sporen in seinem Beruf; zwei Jahre später übersiedeln die Baschs nach Hollywood. Kurz vor seinem Tod, 1944, wirkt Felix Basch in einer Reihe von Anti-Nazi-Filmen in accent parts mit (in "The Hitler Gang" spielt er Alfred Hugenberg und in "Mission to Moscow" keinen Geringeren als Hjalmar Schacht). Dabei entstehen Peters erste Starporträts: "Ich hab Fotos gemacht, vor allem von den Emigranten. Die konnten sich keinen richtigen Fotografen leisten und haben mir halt ein bissel was in die Tasche gesteckt. Für mich war das sehr angenehm." Den letzten Schliff bekommt er als Assistent von László Willinger, einem der bekanntesten Fotokünstler der Weimarer Zeit, der mittlerweile für die Publicity-Abteilung von MGM fotografiert.

"Ich hab neun Monate bei Willinger gearbeitet, danach wurde ich zur Armee eingezogen und habe dreieinhalb Jahre gedient. In dieser Zeit beim First Motion Picture Unit hab ich Menschen kennen gelernt, die ich lebenslänglich geschätzt habe: William Holden, zum Beispiel, oder den Drehbuchautor Edward Anhalt. Außerdem hab ich als technischer Berater und Script Supervisor an dem Oscar-nominierten Film Resisting Enemy Interrogation' gearbeitet. Der war mit guten Leuten besetzt, mit Lloyd Nolan und Arthur Kennedy. Ursprünglich hätte mein Vater die Regie machen sollen, aber da er nicht in Uniform war, musste Robert Sinclair, der Theaterregisseur, das übernehmen. Ein netter, lieber Kerl, der noch nie einen Film gemacht hatte und natürlich keine Ahnung von der Technik oder vom Schnitt hatte. So bin ich für drei, vier Monate im Schneideraum gelandet - weil ich der Einzige war, der gewusst hat, was sich abspielt - und schließlich noch befördert worden. Ich hab vier Dollar mehr bekommen und mich reich gefühlt."

1945 eröffnet Basch in New York sein eigenes Fotostudio. "Angefangen hab ich in einem Hotelzimmer im St. Moritz. Na ja. Das war so klein, dass ich, wenn ich mehr als den Kopf draufkriegen wollte, in der Wanne im Badezimmer stehen hab müssen."

Die ersten Fotos, die Peter Basch veröffentlichte, datieren aus 1946. Eins davon, ein Porträt von Maria Jeritza, wird im Programmheft der Carnegie Hall abgedruckt, wo die legendäre Opernsängerin am 29. April des Jahres mit einem Liederabend ein umjubeltes Comeback feierte. - Seither ist Basch, als Fotograf ein Ladies' Man, den Frauen stets treu geblieben; große internationale Magazine wie Life, Cosmopolitan, Look, Elle, die Vogue wurden zu regelmäßigen Auftraggebern, und natürlich auch der Playboy.

Blättert man die 376 Seiten von "Stars!" zum ersten Mal durch, fühlt man sich von so viel "Glamour" nach einiger Zeit wie erschlagen: Ursula Andress, Brigitte Bardot, Claudia Cardinale, Cathérine Deneuve, Jane Fonda, Hildegard Knef, Shirley MacLaine, Diana Ross, Elizabeth Taylor am Set von "Giants" und an die hundert andere "sehr hübsche, sehr junge und sehr ambitionierte Frauen" mehr (Sammy Davis jr., James Garner oder Bill Holden spielen hier, naturgemäß, nur Nebenrollen). Sein liebstes Fotomodell, eine kanadische Schauspielerin namens Jacqueline Bertrand, habe er, so erzählt Basch, allerdings schon in den Vierzigerjahren gefunden: "Ich hab sie fotografiert und seitdem noch tausendmal - meine Frau."

Michael Omasta in FALTER 3/2004



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