Rückkehr eines Mörders

Raul Montanari, Susanne van Volxem


Andrea kehrt nach mehr als einem Jahrzehnt zum Begräbnis der Mutter ins Heimatdorf zurück. Der Empfang ist alles andere als herzlich, denn vor seinem Verschwinden war er der Hauptverdächtige in einem Mordfall. Ein anderer beichtete die Tat und beging gleich darauf Selbstmord, doch nicht mal die engsten Verwandten glauben an Andreas Unschuld. Das Bekenntnis des Täters, das etwas lauter ausfiel, als es bei einer Ohrenbeichte üblich ist, hörten außer dem Pfarrer wohl noch zwei weitere Männer. Der erste wird bald nach Andreas Ankunft ermordet aufgefunden. Raul Montanari schuf mit "Rückkehr eines Mörders" fast schon einen Designerkrimi, aber zum Glück sind die Figuren etwas sympathischer und glaubhafter. Ein brabbelnder, an Gott zweifelnder Priester, ein junger schwuler Dichter, drei jugendliche Dorfgrazien, geheimnisvolle Marokkaner und sogar der etwas blasse verdächtigte Heimkehrer bewahren den Roman vor den Niederungen der Trivalität.

Montanari ist einer der jüngeren italienischen Krimiautoren und auf der Apenninenhalbinsel recht beliebt und erfolgreich. Als populären Verkaufsschlager muss man wohl auch Loriano Macchiavelli bezeichnen. Ungleich verstiegener als sein Kollege Montanari, fast schon verschroben ist Macchiavelli seit den späten Sechzigerjahren im Geschäft. Nun wird er in seiner Heimat wiederentdeckt und erscheint zugleich zum ersten Mal auf Deutsch. "Tödliches Gedenken" berichtet vom Anschlag auf ein Partisanendenkmal, mehreren damit verknüpften Morden und stammt aus den frühen Siebzigern. Der skurrile Commissario Sarti Antonio, der meist nichts kapiert, dafür garantiert mit einer Schönheit im Bett landet, löst mithilfe des Anarchisten Rosas auch diesen Fall durch schieres Glück. Macchiavellis Stil ist durchaus gewöhnungsbedürftig, der komische Kommissar erinnert ein wenig an Krimis von Wolf Haas. Der Roman wurde dankenswerterweise mit einem Nachwort (Luigi Bernardi) versehen, das ein bisschen Licht ins Dunkel dieser eigenwilligen Erzählung und der Umstände der Entstehung der Sarti-Serie bringt, sowie ein Loblied auf Bologna singt - bomba o non bomba!

Martin Lhotzky in FALTER 48/2005



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