Das Beste von allem. Buch der Listen

Christine Brinck


Listen, Listen, Listen - von Nick Hornby bis Stuckrad-Barre erfreuten sie sich zuletzt auch in der schönen Literatur großer Beliebtheit. Sie sorgen für ein wenig Ordnung im Chaos, können zu Nachschlagezwecken konsultiert werden und sind nicht zuletzt als prickelnder Partytalk für Semi-Autisten nicht zu unterschätzen. Reichlich Konversationsstoff bieten gleich zwei Neuerscheinungen. Das dickere und ergiebigere stammt von dem US-amerikanischen Geschwisterpaar David Wallechinsky & Amy Wallace, das das bereits 1977 erschienene Original "Das große Buch der Listen" von Grund auf überarbeitet und mit dem Untertitel "Wissenswertes, Kurioses und Überflüssiges" versehen hat. Das trifft die Sache gut, wobei die Herausgeber den Schwerpunkt vor allem auf die beiden Letzteren gesetzt haben: Wer sich mit dem Schmöker auf die "Millionenshow" vorbereiten will, hat eher danebengegriffen, dafür bietet das Buch aber eine Menge Erstaunliches aus der Schatzkiste des nutzlosen Wissens. Einen bizarren Höhepunkt markiert die kürzeste aller versammelten Listen, jene der "4 Orte mit mehr Schweinen als Menschen". Noch vor den Inselstaaten Samoa, Wallis und Futuna sowie Tuvalu führt hier überraschend das Königreich Dänemark, in dem auf gut fünf Millionen Menschen angeblich fast 13 Millionen Schweine kommen. Ebenso investigativ: Listen wie "7 große Wurstereignisse", "10 eigentümliche Beschwerden" (u.a. Mohrrübenabhängigkeit, unkämmbare Haare) oder "8 Beispiele merkwürdigen Tierverhaltens" (u.a. inzestuöse Milben, Kinderarbeit bei Ameisen). Ein tolles Präsent.

Etwas zu deutsch geraten ist dagegen "Das Beste von allem. Buch der Listen", das von Christine Brinck herausgegeben wurde. Damit ist weniger das Bemühen um Reste von Bildungsbürgertum ("Die 9 Musen") gemeint, als vielmehr der Umstand, dass omnipräsente Meinungsführer wie Stefan Aust oder Marcel Reich-Ranicki zu Rate gezogen wurden. Und zaghafte Hipnessversuche wie "8 alternde Rockstars, still going strong" wollen erst recht nicht nicht grooven. Als Geschenk ist "Das Beste von allem" also mehr für Tanten und Onkel geeignet.

Sebastian Fasthuber in FALTER 47/2005



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×