Rauchen Sie?. Verteidigung einer Leidenschaft

Imre von der Heydt


Holy Smoke

Imre von der Heydt hält ein kampfeslustiges Plädoyer für seine Leidenschaft und mehr Genuss im Leben.

Letztes Jahr Irland und Norwegen. Heuer Italien und Schweden. Just zu dem Zeitpunkt, an dem die Anti-Rauch-Welle auch in Europa triumphale Siege feiert, schreibt Imre von der Heydt, Sitcom-Produzent aus Köln, eine Verteidigung des Rauchens. Doch wie verteidigt man etwas, das so offensichtlich gesundheitsschädlich ist?
Von der Heydt wehrt sich gegen die Idee vom Glimmstängel als Alleinverursacher. Es gebe keinen "Nikotintod" oder "Tabakinfarkt". Dabei zeigt er, auf welch zweifelhafte Weise ein Raucher bei seinem Tod zum Tabakopfer wird. Auch spielt er mit Widersprüchen in den Statistiken. Japanische Männer erkranken etwa trotz eines rund 25 Prozent höheren Zigarettenkonsums deutlich seltener an Lungenkrebs als US-amerikanische Männer.
Die Kampfeslust von der Heydts überrascht, zumal viele Raucher heute ihr Laster am liebsten loswerden möchten. Von der Heydt hingegen wird nicht müde zu betonen, dass das Rauchen Vergnügen bereitet, eine Inspirationsquelle ist und die Menschen verbindet. Sein Hauptargument für das Rauchen ist, dass ein langes Leben noch lange kein gutes Leben ist. Für ihn ist der vom puritanischen Amerika aus geführte Kreuzzug gegen den Qualm Ausdruck einer genussfeindlichen Lebenseinstellung.
Der asketische Priester ist der Archetyp des Tabakfeindes. Bartolomé de Las Casas, Mönch und Reisebegleiter von Columbus, beobachtet als Erster, wie die Indianer das Rauchen genießen, und erkennt sofort dessen Lasterhaftigkeit. Aber auch die weltlichen Mächte wenden sich bald gegen das Teufelskraut. James I. etwa kritisierte am Rauchen, dass es die Arbeitsmoral der Untertanen untergrabe.

Es überrascht, dass der Tabak zunächst medizinische Karriere macht. Bis weit ins 18. Jahrhundert schwört man auf seine Heilkraft. Erst unter Hitler, einem entschiedenen Rauchgegner, weisen deutsche Ärzte einen kausalen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs nach. Mit Rücksicht auf die nach Tabak verlangenden Soldaten soll Hitler die endgültige Abschaffung des Rauchens auf das Kriegsende verschoben haben. Für die andere Hälfte der Bevölkerung galt: "Die deutsche Frau raucht nicht."
Erschreckend für von der Heydt ist nicht, dass es eine Anti-Rauch-Bewegung gibt, sondern dass sie so erfolgreich ist. Der asketische Priester scheint heute verinnerlicht. Eine wichtige Mahnung – auch für Nichtraucher.

Thomas Mündle in FALTER 42/2005



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