Asterix 33. Gallien in Gefahr

Albert Uderzo


"Sachte, sachte"

An die guten, alten Zeiten reicht der neue Asterix nicht heran. Aber ganz so schlecht ist "Gallien in Gefahr" nun auch wieder nicht.

Der Himmel ist uns nicht auf den Kopf gefallen, mag der Chor der Nostalgiker auch verlässlich wie immer bei Erscheinen eines neuen Asterix-Bandes sein Credo angestimmt haben: "Früher war alles besser." Natürlich war es das, und dennoch ist Band XXXIII nicht so schlecht, wie es sein nichtssagendes Titelblatt ja tatsächlich befürchten lässt. "Gallien in Gefahr" ist sogar einer der besseren unter den nunmehr neun "neuen" Asterix-Bänden, die Zeichner Albert Uderzo seit dem Tod von Texter René Goscinny 1977 im Alleingang herausgebracht hat.

Sicher, an den feinsinnigen Humor von einst reichen Uderzos Schenkelklopfer zum Themenfeld "Wildschwein" nicht heran, und Schlampereien wie die, dass zwei römische Legionäre nach einer Rauferei einen "Filmriss" haben wollen, sind früher einfach nicht passiert. Besonders unsympathisch war der nach dem Vorbild von "Harry Potter" organisierte Rummel um die international akkordierte Veröffentlichung, doch der dürfte - O tempora! O mores! - in marketinggläubigen Zeiten wie diesen kaum noch zu vermeiden sein.

Auch der Inhalt ist vordergründig den merkantilen Zwängen der Globalisierung geschuldet: Die Außerirdischen, die das uns wohlbekannte gallische Dorf diesmal besuchen, sind unschwer als Reverenzen vor dem - von Asterix noch nicht erschlossenen - amerikanischen Comicmarkt zu entschlüsseln. Und wer nicht auf Anhieb verstanden hat, dass das violette Marsmännchen die Züge von Mickey Maus trägt und sein Heimatplanet Tadsylwine ein Anagramm auf Walt Disney ist, den klärt ein kurzes, anbiederndes Nachwort des Verfassers auf.

Gastauftritte anderer Comichelden sind für Asterix ja an sich nichts Neues (Franquins Marsupilami im "Kampf der Häuptlinge"), doch diesmal geht Uderzo sehr viel weiter: Ein Weltraumpolizist namens Shwor-Zi erinnert auch optisch an den Gouverneur von Kalifornien, und mit dem bösen Nagma vom Planeten Gmana trägt sogar eine japanische Manga-Figur zur Verbeugung vor der internationalen Konkurrenz bei. Da scheint es doch ins Bild zu passen, dass sich der noch vor einiger Zeit finanziell gebeutelte Egmont Ehapa Verlag zwischenzeitlich mit der Aufnahme von Mangas ins Programm sanieren konnte.

Doch "Sachte, sachte, versuchen wir zu verstehen!", wie Miraculix seinen aufgebrachten Galliern zuredet. Immerhin leistet sich Uderzo auch ironische Untertöne und sogar einen kleinen Schuss europäischen Kulturchauvinismus - und lässt die penetrante Überheblichkeit der "höher entwickelten" Wesen aus der Neuen Welt mit gallischem Esprit eiskalt ins Leere laufen. Überhaupt ist die - tatsächlich etwas krude und mit vielen großformatigen Bildern aufgeblasene - Geschichte wieder deutlich stringenter und rasanter erzählt als das zuletzt oft der Fall war.

Mag sein, dass Uderzo im Bemühen um Originalität und neue Elemente für seinen Klassiker übers Ziel geschossen hat. Aber sein Handwerk beherrscht der 78-Jährige noch allemal. Und er bietet diesmal sogar ein ungeheuerliches Novum, das über kurz oder lang auch in den enzyklopädischen Fragespielchen der Nostalgiker seinen festen Platz haben wird: Obelix bekommt zum ersten Mal in seinem Leben ernsthaft eine auf den Deckel. Naja, zumindest zum ersten Mal, seit er als kleiner Junge in einen Kessel ...

Carsten Fastner in FALTER 42/2005



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