Adalbert Stifter und die Freuden der...

Leopold Federmair


Verdichtete Leere
200. GEBURTSTAG Adalbert Stifter (1805–1868) wird noch immer gerne als
biedermeierlicher Käfer- und Butterblumendichter missverstanden. Wer genauer liest, kann sich
vom Gegenteil überzeugen. KURT PALM
Dieser Tage hatte ich mit einem Padre des Stiftes Schlägl im Mühlviertel ein kleines Streitgespräch, bei dem es um die Frage ging, ob Adalbert Stifter Nihilist gewesen sei. Ausgangspunkt der Debatte war die – sehenswerte – Ausstellung "Vom Grund aller Dinge" in Aigen-Schlägl, in deren Mittelpunkt Stifters Naturperspektiven stehen.
Der Padre vertrat die Meinung, dass gerade an Stifters Verhältnis zur Natur dessen tiefer Glaube sichtbar werde; ich gab dagegen zu bedenken, dass Stifters Naturschilderungen nichts anderes seien als der verzweifelte Versuch, dem Horror Vacui mit Worten beizukommen. Außerdem, so mein Einwand, sei es ein Unterschied, ob jemand seinen Glauben gefunden habe oder um diesen Glauben ringe und dabei scheitere.
Nicht zufällig kreist Stifters autobiografisches Fragment "Mein Leben" aus dem Jahr 1866 um das "leere Nichts", das angesichts des nahenden Todes wieder in den Mittelpunkt der Stifter'schen Betrachtungen rückte. In dieser Situation sehnte sich der an Körper und Seele schwer kranke Dichter nicht nach Gott, sondern nach der "sehr weiten Finsternis des Nichts" und dem "Aufhören von Entsetzlichem und Zugrunderichtendem".
Man würde es sich zu leicht machen, wenn man diese trüben Gedanken alleine dem Alter zuschriebe. Stifter erlebte seine Umwelt seit frühester Kindheit als etwas Bedrohliches, "Jammervolles, Unleidliches" und musste bereits als kleiner Junge die schmerzhafte Erfahrung machen, dass der Mensch "dieser fürchterlichen Wendung der Dinge" nicht entkommen könne. Zu dieser Erkenntnis kommt in der autobiografischen Erzählung "Granit" der Knabe, der nach einem Zerwürfnis mit seiner Mutter "gleichsam vernichtet" ist.

Als Adalbert Stifter zwölf Jahre alt war, kam sein Vater bei einem Fuhrwerksunfall ums Leben. Dieser Verlust traf den Jungen so hart, dass er sich daraufhin "erhungern" wollte, ein Vorhaben, das er bald aufgab. Jahrzehnte später ging er den entgegengesetzten Weg und fraß und soff sich systematisch zu Tode. Einmal schreibt Stifter, er fühle sich wie ein Vulkan und offenbar war es sein Ziel, seinen Körper, der in den "Blütejahren" wohl an die 130 Kilo wog, wie einen Vulkan zur Explosion zu bringen. Auch dieser Plan misslang und die Leberzirrhose ließ Stifter am Ende bis zum Skelett abmagern.
Aber selbst in dieser Situation behielt der Forscherdrang die Oberhand, und noch drei Jahre vor seinem Tod beobachtete der Dichter mit der Akribie eines Buchhalters die Reaktionen seines Körpers auf die eingenommenen Speisen und Getränke. Je länger dieser Prozess der Selbstbeobachtung dauerte, desto radikaler wurde Stifter bei der Beschreibung körperlicher Vorgänge. Am Ende schöpfte er sogar aus der Betrachtung der eigenen Ausscheidungen poetische Kraft. In sein Tagebuch "Mein Befinden", das er auf Anweisung seines Hausarztes Dr. Essenwein (!) führte, notierte er am 31. Jänner 1865: "Sehr gut erwacht. Frühstück sehr sehr gut. 9 Uhr Stuhl halbfest, dann weich reichlich. Licht mit sehr dunklen Teilen. Mittags große Taube. Schwermut bleibt. Gegen Jause besser. Nach der Jause wieder Unruhe. Abends Suppe sehr sehr gut. Nacht gut (Taube vielleicht an allem Schuld.)" Und die letzte Eintragung vom 10. April 1865 lautet: "Wie vollkommen gesund. Breiartiger Stuhl reichlich."
Zwei Jahre später entstanden die letzten Fotos, die Stifter als einen Menschen zeigen, der an der Kamera vorbeistarrt und dessen Blick sich im Nichts verliert. Auf einem der Bilder trägt Stifter einen Samtrock und verschränkt fast trotzig die Arme, so als wollte er damit bestätigen, was er Jahre zuvor an seinen Verleger Gustav Heckenast schrieb: "Ich gebe den Schmerz nicht her, weil ich sonst auch das Göttliche hergeben müsste." Ein Körper spricht Bände.
Stifter war der Hüter des eigenen Schmerzes, nach dem er sich wahrscheinlich deshalb so sehr sehnte, weil er ohne ihn den Beruf des Dichters nicht hätte ausüben können. Ich verwende bewusst das altmodische Wort "Dichter", weil Stifters Prosa plausibel macht, was es überhaupt bedeutet, Dichter zu sein. Kann Leere "verdichtet" werden? Wenn ja, ist Stifters Literatur (Ver-)Dichtung kurz vor dem Urknall.

Schon seit frühester Jugend interessierte sich Stifter für Naturwissenschaften, und machte irgendwann auch einmal die Entdeckung, dass das Universum ein "ungeheurer Raum" sei, den wir "in unserem Vorstellungsvermögen nicht fassen können". Um angesichts einer solchen Erkenntnis nicht verrückt zu werden, richtete er seinen Blick von den Gestirnen auf die Erde und entdeckte den Grashalm und das Sandkorn für sich. Erst diese neue Perspektive ermöglichte ihm die Formulierung des "Sanften Gesetzes", das er dem 1852 erschienenen Sammelband "Bunte Steine" voranstellte – womit er eine falsche Fährte legte. Knapp hundert Jahre später sollte Thomas Mann feststellen, dass Stifters Naturbetrachtung "eine Neigung zum Exzessiven, Elementar-Katastrophalen, Pathologischen" eigen sei.
Mit dem "Sanften Gesetz" versuchte Stifter, die "granitene" Wirkung seiner Texte etwas zu mildern, was ihm insofern gelang, als sich in den folgenden Jahrzehnten vor allem seine Gegner lieber mit dem "Sanften Gesetz" als mit seinen Erzählungen beschäftigten. Hätte nämlich zum Beispiel Friedrich Hebbel diese Erzählungen – und auch den "Nachsommer" – genau gelesen, hätte er nie dieses Diktum vom Dichter der "Käfer und Butterblumen" in die Welt gesetzt. So wie Stifter als Mensch quer zu seiner Zeit stand, wies seine Literatur weit in die Zukunft und steht einem Franz Kafka wesentlich näher als den literarischen Strömungen im 19. Jahrhundert.
Das ist vermutlich auch einer der Gründe, weshalb sich Stifter in den letzten Jahren seines Lebens immer weiter von seinen Lesern entfernte und sich in einer Welt verschanzte, in der das "Sanfte Gesetz" vom Gesetz der Selbstbestrafung abgelöst wurde.
In den "Winterbriefen aus Kirchschlag", geschrieben Anfang 1866, wandte sich Stifter dann konsequenterweise wieder der Betrachtung des "leeren Raums" zu und rechnete sich aus, "dass unser ganzes Sonnensystem mit seinen entferntesten Planeten in der Höhlung des Sternes Capella unbeirrt wohnen könnte". Am Ende dieses Gedankenexperiments wartete das schwarze Loch und die Erkenntnis, dass Gegenwehr zwecklos sei:
"So steht eine Schönheit vor uns auf, die uns entzückt und schaudern macht, die uns beseligt und vernichtet. Da hat menschliches Denken und menschliche Vorstellung ein Ende."
Zwei Jahre nach Niederschrift dieser Zeilen war Stifter tot. Gestorben an den Folgen einer Leberzirrhose und nach dem gescheiterten Versuch, sich mit dem Rasiermesser die Kehle aufzuschneiden.

Die Werke von Adalbert Stifter sind in zahlreichen Ausgaben greifbar.

ZU ADALBERT STIFTER
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Stifters 200. Geburtstag war naturgemäß Anlass für zahlreiche Publikationen rund um den Dichter. Empfohlen seien an dieser Stelle die klugen Reflexionen über den "Nachsommer", die Arnold Stadler unter dem Titel "Mein Stifter" bei DuMont herausgebracht hat. Stadler bezeichnet in seinem Buch den "Nachsommer" als "eine erträumte Biografie" und spürt jenen Punkten nach, an denen sich fiktionale und biografische Linien überschneiden.
In seiner groß angelegten Studie "Adalbert Stifter und die Freuden der Bigotterie", erschienen im Otto Müller Verlag, verknüpft Leopold Federmair persönliche Lebens- und Leseerfahrungen mit Stifters Werk und kommt auf diese Weise zu verblüffenden Ergebnissen. Federmairs Buch macht große Lust, sich in das Abenteuer Stifter-Lektüre zu stürzen und dabei eigene Wege auch abseits ausgetretener Rezeptionspfade zu beschreiten.
Von einer ganz anderen Seite nähert sich Joseph Berlinger in seinem sympathischen Reisebuch "Das Meer muss ich sehen" dem Menschen und Künstler Adalbert Stifter. Berlinger folgt den Spuren Stifters von seinem
Geburtsort Horní Planá (Oberplan) in Südböhmen bis zu seinem Sterbeort Linz und stellt über seine Reiseskizzen aufschlussreiche Bezüge zu Leben und Werk des Dichters her.
Wer sich für die literarische Auseinandersetzung zeitgenössischer Autoren mit Stifter interessiert, dem sei das Buch "Stifter reloaded" ans Herz gelegt. In dieser Anthologie versuchen zwölf Autorinnen und Autoren aus Österreich und Tschechien, Stifters "Bunte Steine" in die Gegenwart zu holen, wobei sich allerdings der eine oder andere Stein als für den Transport zu schwer erweist.Verdichtete Leere

Adalbert Stifter (1805–1868) wird noch immer gerne als biedermeierlicher Käfer- und Butterblumendichter missverstanden. Wer genauer liest, kann sich vom Gegenteil überzeugen.

Dieser Tage hatte ich mit einem Padre des Stiftes Schlägl im Mühlviertel ein kleines Streitgespräch, bei dem es um die Frage ging, ob Adalbert Stifter Nihilist gewesen sei. Ausgangspunkt der Debatte war die – sehenswerte – Ausstellung "Vom Grund aller Dinge" in Aigen-Schlägl, in deren Mittelpunkt Stifters Naturperspektiven stehen.
Der Padre vertrat die Meinung, dass gerade an Stifters Verhältnis zur Natur dessen tiefer Glaube sichtbar werde; ich gab dagegen zu bedenken, dass Stifters Naturschilderungen nichts anderes seien als der verzweifelte Versuch, dem Horror Vacui mit Worten beizukommen. Außerdem, so mein Einwand, sei es ein Unterschied, ob jemand seinen Glauben gefunden habe oder um diesen Glauben ringe und dabei scheitere.
Nicht zufällig kreist Stifters autobiografisches Fragment "Mein Leben" aus dem Jahr 1866 um das "leere Nichts", das angesichts des nahenden Todes wieder in den Mittelpunkt der Stifter'schen Betrachtungen rückte. In dieser Situation sehnte sich der an Körper und Seele schwer kranke Dichter nicht nach Gott, sondern nach der "sehr weiten Finsternis des Nichts" und dem "Aufhören von Entsetzlichem und Zugrunderichtendem".
Man würde es sich zu leicht machen, wenn man diese trüben Gedanken alleine dem Alter zuschriebe. Stifter erlebte seine Umwelt seit frühester Kindheit als etwas Bedrohliches, "Jammervolles, Unleidliches" und musste bereits als kleiner Junge die schmerzhafte Erfahrung machen, dass der Mensch "dieser fürchterlichen Wendung der Dinge" nicht entkommen könne. Zu dieser Erkenntnis kommt in der autobiografischen Erzählung "Granit" der Knabe, der nach einem Zerwürfnis mit seiner Mutter "gleichsam vernichtet" ist.


Als Adalbert Stifter zwölf Jahre alt war, kam sein Vater bei einem Fuhrwerksunfall ums Leben. Dieser Verlust traf den Jungen so hart, dass er sich daraufhin "erhungern" wollte, ein Vorhaben, das er bald aufgab. Jahrzehnte später ging er den entgegengesetzten Weg und fraß und soff sich systematisch zu Tode. Einmal schreibt Stifter, er fühle sich wie ein Vulkan und offenbar war es sein Ziel, seinen Körper, der in den "Blütejahren" wohl an die 130 Kilo wog, wie einen Vulkan zur Explosion zu bringen. Auch dieser Plan misslang und die Leberzirrhose ließ Stifter am Ende bis zum Skelett abmagern.
Aber selbst in dieser Situation behielt der Forscherdrang die Oberhand, und noch drei Jahre vor seinem Tod beobachtete der Dichter mit der Akribie eines Buchhalters die Reaktionen seines Körpers auf die eingenommenen Speisen und Getränke. Je länger dieser Prozess der Selbstbeobachtung dauerte, desto radikaler wurde Stifter bei der Beschreibung körperlicher Vorgänge. Am Ende schöpfte er sogar aus der Betrachtung der eigenen Ausscheidungen poetische Kraft. In sein Tagebuch "Mein Befinden", das er auf Anweisung seines Hausarztes Dr. Essenwein (!) führte, notierte er am 31. Jänner 1865: "Sehr gut erwacht. Frühstück sehr sehr gut. 9 Uhr Stuhl halbfest, dann weich reichlich. Licht mit sehr dunklen Teilen. Mittags große Taube. Schwermut bleibt. Gegen Jause besser. Nach der Jause wieder Unruhe. Abends Suppe sehr sehr gut. Nacht gut (Taube vielleicht an allem Schuld.)" Und die letzte Eintragung vom 10. April 1865 lautet: "Wie vollkommen gesund. Breiartiger Stuhl reichlich."
Zwei Jahre später entstanden die letzten Fotos, die Stifter als einen Menschen zeigen, der an der Kamera vorbeistarrt und dessen Blick sich im Nichts verliert. Auf einem der Bilder trägt Stifter einen Samtrock und verschränkt fast trotzig die Arme, so als wollte er damit bestätigen, was er Jahre zuvor an seinen Verleger Gustav Heckenast schrieb: "Ich gebe den Schmerz nicht her, weil ich sonst auch das Göttliche hergeben müsste." Ein Körper spricht Bände.
Stifter war der Hüter des eigenen Schmerzes, nach dem er sich wahrscheinlich deshalb so sehr sehnte, weil er ohne ihn den Beruf des Dichters nicht hätte ausüben können. Ich verwende bewusst das altmodische Wort "Dichter", weil Stifters Prosa plausibel macht, was es überhaupt bedeutet, Dichter zu sein. Kann Leere "verdichtet" werden? Wenn ja, ist Stifters Literatur (Ver-)Dichtung kurz vor dem Urknall.

Schon seit frühester Jugend interessierte sich Stifter für Naturwissenschaften, und machte irgendwann auch einmal die Entdeckung, dass das Universum ein "ungeheurer Raum" sei, den wir "in unserem Vorstellungsvermögen nicht fassen können". Um angesichts einer solchen Erkenntnis nicht verrückt zu werden, richtete er seinen Blick von den Gestirnen auf die Erde und entdeckte den Grashalm und das Sandkorn für sich. Erst diese neue Perspektive ermöglichte ihm die Formulierung des "Sanften Gesetzes", das er dem 1852 erschienenen Sammelband "Bunte Steine" voranstellte – womit er eine falsche Fährte legte. Knapp hundert Jahre später sollte Thomas Mann feststellen, dass Stifters Naturbetrachtung "eine Neigung zum Exzessiven, Elementar-Katastrophalen, Pathologischen" eigen sei.
Mit dem "Sanften Gesetz" versuchte Stifter, die "granitene" Wirkung seiner Texte etwas zu mildern, was ihm insofern gelang, als sich in den folgenden Jahrzehnten vor allem seine Gegner lieber mit dem "Sanften Gesetz" als mit seinen Erzählungen beschäftigten. Hätte nämlich zum Beispiel Friedrich Hebbel diese Erzählungen – und auch den "Nachsommer" – genau gelesen, hätte er nie dieses Diktum vom Dichter der "Käfer und Butterblumen" in die Welt gesetzt. So wie Stifter als Mensch quer zu seiner Zeit stand, wies seine Literatur weit in die Zukunft und steht einem Franz Kafka wesentlich näher als den literarischen Strömungen im 19. Jahrhundert.
Das ist vermutlich auch einer der Gründe, weshalb sich Stifter in den letzten Jahren seines Lebens immer weiter von seinen Lesern entfernte und sich in einer Welt verschanzte, in der das "Sanfte Gesetz" vom Gesetz der Selbstbestrafung abgelöst wurde.
In den "Winterbriefen aus Kirchschlag", geschrieben Anfang 1866, wandte sich Stifter dann konsequenterweise wieder der Betrachtung des "leeren Raums" zu und rechnete sich aus, "dass unser ganzes Sonnensystem mit seinen entferntesten Planeten in der Höhlung des Sternes Capella unbeirrt wohnen könnte". Am Ende dieses Gedankenexperiments wartete das schwarze Loch und die Erkenntnis, dass Gegenwehr zwecklos sei:
"So steht eine Schönheit vor uns auf, die uns entzückt und schaudern macht, die uns beseligt und vernichtet. Da hat menschliches Denken und menschliche Vorstellung ein Ende."
Zwei Jahre nach Niederschrift dieser Zeilen war Stifter tot. Gestorben an den Folgen einer Leberzirrhose und nach dem gescheiterten Versuch, sich mit dem Rasiermesser die Kehle aufzuschneiden.

Die Werke von Adalbert Stifter sind in zahlreichen Ausgaben greifbar.

Neu gelesen und geladen

Stifters 200. Geburtstag war naturgemäß Anlass für zahlreiche Publikationen rund um den Dichter. Empfohlen seien an dieser Stelle die klugen Reflexionen über den "Nachsommer", die Arnold Stadler unter dem Titel "Mein Stifter" bei DuMont herausgebracht hat. Stadler bezeichnet in seinem Buch den "Nachsommer" als "eine erträumte Biografie" und spürt jenen Punkten nach, an denen sich fiktionale und biografische Linien überschneiden.
In seiner groß angelegten Studie "Adalbert Stifter und die Freuden der Bigotterie", erschienen im Otto Müller Verlag, verknüpft Leopold Federmair persönliche Lebens- und Leseerfahrungen mit Stifters Werk und kommt auf diese Weise zu verblüffenden Ergebnissen. Federmairs Buch macht große Lust, sich in das Abenteuer Stifter-Lektüre zu stürzen und dabei eigene Wege auch abseits ausgetretener Rezeptionspfade zu beschreiten.
Von einer ganz anderen Seite nähert sich Joseph Berlinger in seinem sympathischen Reisebuch "Das Meer muss ich sehen" dem Menschen und Künstler Adalbert Stifter. Berlinger folgt den Spuren Stifters von seinem
Geburtsort Horní Planá (Oberplan) in Südböhmen bis zu seinem Sterbeort Linz und stellt über seine Reiseskizzen aufschlussreiche Bezüge zu Leben und Werk des Dichters her.
Wer sich für die literarische Auseinandersetzung zeitgenössischer Autoren mit Stifter interessiert, dem sei das Buch "Stifter reloaded" ans Herz gelegt. In dieser Anthologie versuchen zwölf Autorinnen und Autoren aus Österreich und Tschechien, Stifters "Bunte Steine" in die Gegenwart zu holen, wobei sich allerdings der eine oder andere Stein als für den Transport zu schwer erweist.

Kurt Palm in FALTER 42/2005



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