Der Komet unterm Küchentisch

Bob Berman, Jürgen Neubauer


Wundertüte Weltraum

Einmal ganz ehrlich: Eine Gedankenübertragung mit einer nahe stehenden Person hat doch jeder schon erlebt, oder? Lassen sich vielleicht nicht doch mit Wünschelruten Wasseradern aufspüren und mit einem Pendel verborgene Schätze? Und treffen Horoskope nicht meist ins Schwarze? Eigentlich paradox, dass heutzutage nicht wenige unter uns daran glauben. Denn kritische Köpfe haben solche Phänomene und Wunder schon längst als Selbsttäuschungen oder geschickte Betrügerei entlarvt.
Zwei Franzosen, die sich dem Kampf gegen die Unwissenheit verschrieben haben, sind die Physiker Henri Broch und Georges Charpak – Letzterer übrigens Nobelpreisträger 1992. Ihr Büchlein "Was macht der Fakir auf dem Nagelbrett" ist ein Schnellkurs für allzu Leichtgläubige. Es beginnt mit einem leidenschaftlichen und vielversprechenden Appell an die Leser, kritisch, misstrauisch, neugierig zu sein. Eingehend belegen sie mit wissenschaftlichem Scharfsinn, trockener Mathematik und zahlreichen Abbildungen, dass die Tricks der modernen Scharlatane und die sich hartnäckig haltenden Irrlehren im besten Fall Banalitäten bergen. Sympathisch, dass die beiden Professoren auch vor allzu viel Wissenschaftsgläubigkeit warnen.

Bei klarem Verstand lässt sich immer noch vorzüglich über Phänomene staunen, die trotzdem nicht unerklärlich sind. In "Singender Schnee und verschwindende Elefanten" sind 200 physikalische Rätsel des Alltags versammelt, die dem gesunden Menschenverstand zuwiderlaufen: Da schweben Mäuse, sammeln sich Teeblätter beim Umrühren in der Kannenmitte, sind Segelboote schneller als der Wind und singen auch miserable Sänger famos, wenn sie unter der Dusche stehen. Warum das so ist, erklären Christopher P. Jargodzki und Franklin Potter – ebenfalls Physiker – Rätsel für Rätsel mit wenigen Sätzen, Diagrammen und einem Mindestmaß an Formeln. Naturwissenschaftliches Grundwissen erleichtert die Lektüre.

Der populäre US-Astronom und Lehrer Bob Berman wiederum plaudert in "Der Komet unterm Küchentisch" spannend und pointiert über die wunderbaren und seltsamen Eigenschaften und Vorgänge unseres Universums: wie der Mond tatsächlich die Erde und seine Lebewesen beeinflusst, dass der kälteste Punkt des Universums auf der Erde gemessen wurde, von regelmäßigen Meteoritenstürmen über der Erde, von der verzweifelten Suche nach der Weltformel und dass sogar ein einziger Beistrichfehler schuld an der Zerstörung einer Venussonde war. Berman verpackt die Himmelskunde in leicht lesbare Geschichten, veranschaulicht seine überirdische Wissenschaft mit praktischen Beispielen, er unterhält mit Anekdoten und macht nachdenklich, staunen. Resultat: Wissen macht Spaß – und gescheit.

Florian Rauchensteiner in FALTER 42/2005



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