Florence von Arabien

Christopher Buckley, Martin Richter


Brüder, da gibt es etwas, was ich euch sagen möchte. Das Küssen von Händen ist etwas, was unseren Werten und Moralvorstellungen widerspricht und was von freien, ehrlichen Menschen abgelehnt wird." Mit diesen schönen Worten verbat Abdullah, der neue König von Saudi-Arabien, erst vor wenigen Wochen seinen Untertanen, ihm ständig die Hände zu küssen. Die Sitten auf der arabischen Halbinsel gelten dennoch als besonders streng - für Christopher Buckley Grund genug, darüber seinen "ersten und wohl auch letzten Nahost-Roman nah an der Wirklichkeit" (Christopher Buckley) zu schreiben. In "Florence von Arabien" schickt der schillernde US-Publizist, der mit 24 Chefredakteur des Esquire wurde und Reden für George Bush senior schrieb, eine gewisse Florence Farfaletti auf Geheimmission in die arabische Welt. Die nicht unattraktive Mitarbeiterin des US-Außenministeriums soll in Matar (sic!) einen feministischen Fernsehsender aufbauen, der dann vor allem im angrenzenden Öl-Scheichtum Wasabien (sic!) zur Emanzipation der Frauen und so zur schleichenden Verwestlichung beitragen soll. Nach Anfangserfolgen endet das wagemutige Vorhaben in einem politischen Fiasko - und der flotte, mitunter etwas flapsige Roman mit einem turbulenten Showdown, der immer neue Höhepunkte aller Art beschert.

Etwas anders geht der 729. Band der Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften das Thema an. Unter dem mäßig originellen Titel "Veränderung und Stabilität" schreiben Kulturanthropologen aus der halben Welt über "Normen und Werte in islamischen Gesellschaften" (so der auch nicht viel originellere Untertitel). Der Herausgeber Johann Heiss etwa widmet sich der Frage "Ein sayh ist ein sayh, aber was für ein Ding ist ein sayyid?" (die Lösung: sayyid war eine Anrede für Führungspersönlichkeiten). Andere Aufsätze handeln von Kaffeeklatsch in Damaskus oder von Erfahrungen, die Frauen mit dem Scharia-Gericht in Gaza-Stadt gemacht haben.

Klaus Taschwer in FALTER 41/2005



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