Eminem. Die Biographie. Whatever you say I am

Anthony Bozza, Julian Weber


Unter den großen Unbekannten der deutschen Popszene ist Klaus Voormann vermutlich der legendärste: Anfang der Sechzigerjahre freundete sich der Musiker und Grafiker in Hamburg mit jenem wilden Haufen junger britischer Rockmusikanten an, der kurze Zeit später als Fab Four die Welt erobern sollte. Voormann erlebte diese Entwicklung nicht nur als Wegbegleiter; er zeichnet auch für das mit einem Grammy ausgezeichnete Cover zur Beatles-LP "Revolver" verantwortlich und war Gründungsmitglied der Plastic Ono Band. Außerdem ist er als Bassist auf diversen Solo-LPs von John Lennon, George Harrison und Ringo Starr zu hören. Auf sehr persönliche, in ihrer Aufrichtigkeit bisweilen etwas naive Weise erzählt Voormann in "Warum spielst du Imagine nicht auf dem weißen Klavier, John?" aus seinem Leben - ein sehr kurzweiliges und stellenweise höchst amüsantes Buch, dem auch das einigermaßen schlampige Lektorat nichts anhaben kann. Während die Beatles durch die respektvolle persönliche Erinnerungen eines Freundes charakterisiert werden, wird dem erfolgreichsten Rapper der Gegenwart in "Eminem. Die Biografie" eine professionelle und profunde journalistische Analyse zuteil. Der Musikjournalist Anthony Bozza, der die Karriere des Detroiter Künstlers seit Jahren mit zahlreichen Interviews und großen Artikeln für den Rolling Stone begleitet, zeichnet hier das Leben von Marshall Mathers III nach. Dabei lässt er die diversen Familientroubles und die Debatten rund um die Texte von Eminems Alter Ego Slim Shady ebenso Revue passieren wie er Eminems Karriere in den Kontext des amerikanischen Pop- und HipHop-Geschehens der letzten Dekade stellt - ohne aus seiner Fasziniertheit einen Hehl zu machen; kritische Distanz darf man sich von dieser Biografie also keine erwarten.

Gerhard Stöger in FALTER 1-2/2004



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