Wenn einer eine Grube gräbt

Er war Geheimtipp, illegales Badedomizil, Müllhalde. Seine Fans kämpften für seinen Schutz, jetzt soll den Steinbruchsee nahe bei Wien keiner haben

LANDLEBEN | ANIKA SUCK | aus FALTER 24/18   

Foto: Katharina Gossow

Falls jemand was sagt, ich bin schuld.“ Klaus Wechselberger lacht. Der 63-Jährige klettert, ohne zu zögern, einen steilen Hang hinauf, dabei hält er sich an den aus der Erde ragenden Wurzeln fest. Seine Haare sind lang und ausgedünnt, sein Gesicht fein und fröhlich. Es ist ein verbotener Weg, auf den er seine graubraunen Wanderschuhe setzt. Der Trampelpfad ist von Bäumen überdacht und trocken. Am linken Wegrand tauchen immer wieder große Pfützen auf, wie tief sie sind, ist schwer zu sagen. „Das sind wichtige Laichplätze“, sagt Wechselberger. In ihnen leben Feuersalamander, Gelbbauchunken, Kamm-Molche und Wechselkröten. Dafür, dass Wechselberger diesen Trampelpfad entlanggeht, könnte er verklagt werden, denn das Gebiet steht unter Naturschutz. Dafür, dass das so ist, hat er jahrelang gekämpft. Aber so richtig glücklich ist er jetzt nicht mehr darüber.

Der See, um den Wechselberger jetzt marschiert, ist jener See, an dem im vergangenen Jahr einer Frau von einem Mann Vergewaltigung angedroht wurde, sollte sie sich nicht bedecken. In den Medien wurde dieser Mann als „Sittenwächter“ bekannt, im März wurde er zu fünf Monaten unbedingter Haft verurteilt. Aber auch bevor der See Schlagzeilen machte, war er wild umstritten. Erst seit 30. Juni 2016, seitdem er ein Naturschutzgebiet ist, hat er auch offiziell einen Namen, der auf blau-gelben Schildern geschrieben steht: Steinbruchsee Fischerwiese.

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