Wegen Facebook: Tagespresse nun im Abo

Die Tagespresse ist die größte Satireseite des Landes. Weil Facebook Medien seit Monaten benachteiligt, steigt die Plattform auf ein Abo-Bezahl-Modell um

MEDIEN | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 24/18   

Fritz Jergitsch gründete die Satireseite vor fünf Jahren. Derzeit hat Die Tagespresse auf Facebook mehr als 350.000 Fans – mehr als ORF, Krone und Der Standard (Foto: Gerhard Deutsch / KURIER / picturedesk.com)

Im Jänner gab Facebook-Chef Mark Zuckerberg bekannt, den Facebook-Algorithmus zu ändern. Das neue Prinzip: Menschen statt Marken. Seither sehen User weniger Beiträge von Medien und Firmen, dafür mehr Posts von Freunden. Will ein Medium seine Reichweite halten oder vergrößern, muss es nun dafür Facebook etwas zahlen.

Österreichs größte Satireplattform Die Tagespresse macht ein halbes Jahr nach dieser Umstellung ernst. „Wenn Zuckerberg etwas im Algorithmus ändert, kommt Satire im Newsfeed nicht mehr vor. Wir haben in den letzten Monaten um ein Drittel weniger Zugriffe gehabt“, sagt Tagespresse-Gründer Fritz Jergitsch, „auf Facebook kann man nicht zählen. Wir müssen uns deshalb davon lösen und dürfen uns nicht mehr in wirtschaftliche Abhängigkeit einer privaten Firma begeben. Wir wollen nur noch von unseren Lesern abhängig sein.“

Die Tagespresse ist die größte Satireseite des Landes. Weil Facebook Medien seit Monaten benachteiligt, steigt die Plattform auf ein Abo-Bezahl-Modell um

Die Tagespresse finanzierte sich bislang zum größten Teil über Werbung. Das gelang auch deshalb, weil die Satireartikel regelmäßig viral gingen. Zwar bleibt Die Tagespresse nach wie vor auf Facebook vertreten. Aber diese Woche stellt die Satireseite auf ein Abo-Modell um, das sich an jenes der New York Times anlehnt: Fünf Tagespresse-Artikel im Monat sind für jeden gratis zugänglich; wer mehr lesen will, muss zahlen. Ein Abo mit unbeschränktem Zugang gibt’s um drei Euro pro Monat. Das Premium-Abo kostet doppelt so viel. „Das ist für knallharte ­Tagespresse-Fans“, sagt Jergitsch, „da ­bauen wir zusätzlich als Extra die Namen der Abonnenten in Artikeln ein, die dann als Experte, Politologe oder Einsatzleiter im Bericht vorkommen.“

Für Mindestsicherungsbezieher und alle unter 21 Jahren wird die Plattform nach wie vor gratis sein. F


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