Zuhausetiere

Peter Iwaniewicz schreibt über die Endstation Wohnzimmer

FALTERS ZOO | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 20/18   

Zeichnung: Bernd Püribauer  » zur Tier-Galerie

Der deutsche Kolumnist Axel Hacke will mit seinen Texten „aus Schwerem etwas Leichtes“ machen. Wenn ich hier über das Thema „Welches Haustier eignet sich für Kinder?“ schreibe, dann wird aus Leichtem etwas durchaus Schweres.

Den frühen Umgang mit Tieren kennenzulernen und Verantwortung für den pfleglichen Umgang mit anderen Lebewesen zu übernehmen ist ein hehres pädagogisches Ziel. Wenn die anfängliche Begeisterung dafür bei den Kindern verflogen ist, bleibt das Entfernen der Exkremente, die Fütterung und die weitere Betreuung oft bei jenen Elternteilen, die gegen eine Anschaffung waren. Auch lernt man dann erst im Nachhinein, dass Hamster nachtaktiv sind und dann gerne lautstark in ihrem Käfig herumrammeln, Papageien sehr alt werden und in Wien alle Reptilien- und Lurcharten meldepflichtig sind.

Aber dennoch boomt die Haustierhaltung. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife hat Internet-Verkaufsanzeigen über fünf Jahre ausgewertet und erkannte für Deutschland einen klaren Trend zu exotischen Tieren: Zu den meistverkauften Arten gehörten Stinktiere, Erdmännchen, Waschbären und Wüstenfüchse. Aber auch Weißbüschelaffen und Nager wie Streifenhörnchen, Rennmäuse und Präriehunde gibt es zu erwerben. Weltweit liegt der Umsatz für den Tierhandel bei über acht Milliarden Euro, wobei zum Bespiel eine Rennmaus nur drei Euro kostet. Teurer wird es bei – noch – selten angebotenen Tieren wie Faultier (ab € 2800,–) oder Geparden für je 10.000 Euro.

Okay, wenn man nicht gerade Siegfried und Roy als Eltern hat, dann ist ein weißer Tiger als Haustier eher unwahrscheinlich.

Also welche Tiere eignen sich? Ich rate zu Wirbellosen. Weinbergschnecken zum Beispiel kann man aus korrekten Zuchten kaufen und mit verhältnismäßig wenig Aufwand halten.

Auch das Problem der Betreuung während des Urlaubs kann leicht gelöst werden: Weinbergschnecken können bei Wassermangel in eine Trockenstarre verfallen. Man setzt sie dazu in einen großen Behälter mit trockenen Eierteigwaren. Diese werden zwar von ihnen gefressen, aufgrund des trockenen Futters schließen sie ihren Deckel und verbringen so ohne weitere Nahrungsaufnahme bis zu drei Monate in diesem Ruhezustand.

Nur das Kennenlernen des Schneckentempos von etwa sieben Zentimetern pro Minute kann Kindern beim morgendlichen Schoolrun ein schlechtes Vorbild sein.


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