Hilfe, mein Salat pfeift!

Das Neu Brasilien wird modernisiert. Und macht einstweilen Pop-up

FLORIAN HOLZER | aus FALTER 20/18   

Foto: Heribert Corn

Rudern ist ein toller Sport. Elegant, lautlos, schnell, effizient – quasi das Rennradfahren unter den Wassersportarten (wenngleich man mit dem Ruderboot umkippen und sodann ertrinken kann; da dann doch lieber Rennrad …). Und weil zwei Söhne von Berndt und Irmgard Querfeld, Wiens unangefochtenem Kaffeehaus-Kaiserpaar, diesen Sport auf wettkampflichem Niveau betreiben, sahen sich die Querfelds veranlasst, das Schutzhaus Neu Brasilien an der Alten Donau zu übernehmen.

Dazu muss man sagen, dass dieses Schutzhaus – 1904 vom Naturisten Florian Berndl mit der Kleingarten-Kolonie „Neu Brasilien“ gegründet – einer der wenigen Orte an der unteren Alten Donau war, der mit Rudern bisher nichts zu tun hatte: Die Boots- und Vereinshäuser der diversen Ruderklubs reihen sich hier nämlich dicht an dicht aneinander, das Neu Brasilien stellte da einen angenehm kulinarischen Kontrast dar. Und war außerdem alt und kitschig, Terrasse und Ponton mit Oleander geschmückt, sehr viel beschaulicher als etwa das Spareribs-Mega-Center ein paar Meter weiter vorne.

Nur: Die Zeiten der Beschaulichkeit an der Alten Donau neigen sich halt dem Ende zu, wie’s scheint, die Witterung von „Erlebniszone“ und „Fun-Area“ liegt schon ein bisschen in der Luft. Und dementsprechend werden die Querfelds das ehemalige Schutzhaus Neu Brasilien bis zum Sommer zu einem hippen, hellen Lokal mit Ruderklubatmosphäre namens „Das Bootshaus“ umbauen. Und bis das soweit ist, wurde auf der Terrasse ein Kiosk aufgestellt, von dem aus junge Menschen mit Ruderklub-Poloshirts den Open-Air-Bereich am Wasser Pop-up-mäßig bespielen.

Das ist gut, nicht zuletzt, weil keine Reservierungen angenommen werden und man so problemlos einen Platz am Ponton bekommt (was zu Neu-Brasilien-Zeiten nahezu unmöglich war). Das ist auch gut, weil es da jetzt Frühstück, Sandwiches und Salate gibt, was zwar nicht übermäßig originell klingt, angesichts der Spareribs-Hegemonie an der Alten Donau aber schon mal Erfrischung verspricht.

Man bestellt und zahlt, bekommt ein Plastikteil, setzt sich hin, und wenn das Essen abholbereit ist, fängt das Ding sehr energisch zu piepsen an. Stressig. Wirklich traurig wird’s aber, wenn man sieht, was das Bootshaus unter Caesar’s Salad versteht, nämlich geschredderte Salatherzen mit Weißbrotwürfeln (Croutons sind etwas anderes …), Speckwürferln und ein paar geölten Trockentomaten. So eine Behandlung hat dieser wunderbare Salat nicht verdient, das ist nicht fair (€ 8,50). Der Pastrami-Stegtoast – Fladenbrot, Rindersaftschinken, geschmolzener Cheddar – war zumindest viel und sättigend, was für Sportler ja auch wichtig ist, zum Jubeln bringt er einen aber nicht (€ 11,90).

Womit man einstweilen noch nicht das dringende Gefühl bekommt, dass sich die Situation hier verbessert hätte.

Resümee:

Das Schutzhaus Neu Brasilien ist tot, es lebe das Bootshaus. Beziehungsweise sein Pop-up. Das einstweilen aber für Nostalgie sorgt.

Das Bootshaus – Pop up
22., An der unteren Alten Donau 61
Mo–Fr 12–20, Sa, So 10 bis Sonnenuntergang
www.dasbootshaus.at


Alle Artikel aus FALTER 20/18 finden Sie im FALTER-Archiv.



FALTER 4 Wochen testen
×