Schwerkräfte

Peter Iwaniewicz verweigert Medikamente mit Krillöl

FALTERS ZOO | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 11/18   

Zeichnung: Bernd Püribauer  » zur Tier-Galerie

Was’s wiegt, das hat’s, ist eine der beliebten, aber nebulosen Redewendungen, die man meist dann verwendet, wenn einem in einem Gespräch nichts Wesentliches mehr einfällt. Dabei ist eine Gewichtung irdischer Verhältnisse ganz aufschlussreich: Sämtliche Lebewesen dieser Erde – also von Bakterien über Pflanzen bis zu Blauwalen – wiegen in getrocknetem Zustand geschätzte 1,8 Billionen Tonnen. Tiere machen mit einer Masse von etwa zwölf Mrd. Tonnen davon nur etwa ein Hundertstel aus, wobei der Großteil mit zehn Mrd. Tonnen in den Meeren lebt. Die winzigen Leuchtgarnelen, auch Krill genannt, sind in diesen wässrigen Welten die wahren Schwergewichte und wiegen in Summe etwa 500 Mio. Tonnen. Ein bisschen peinlich: Menschen bringen gerade einmal 230 Mio. Tonnen Kohlenstoff auf die Waage und landen damit klar hinter den 600 Mio. Tonnen schweren Rindern.

Überholt werden wir bereits auch von rund 300 Mio. Tonnen Kunststoff, die wir jährlich produzieren. Dass dies Probleme verursacht, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Überraschend ist aber, wo dieser Plastikmüll letztlich landet. Nur ein kleiner Teil, etwa 40.000 Tonnen, sind an der Meeresoberfläche sichtbar, der Rest rutscht regelrecht über Unterwassergräben vor der Küste großer Städte in die Tiefsee hinunter auf 4500 Meter Tiefe. Das Ozeanografische Institut in San Diego hat die Mageninhalte der Fische im Nordpazifik untersucht und festgestellt, dass bereits jeder zehnte Fisch in Tiefen zwischen 200 und 1000 Metern Plastikbestandteile aufgenommen hat. In der Nähe der Wasseroberfläche hatte sogar jeder dritte Fisch Plastik im Körper. Und dieses gelangt dann wieder auf dem Weg der Nahrungsketten in Seevögel und Wale. Jetzt wurde sogar ein neuartiges Gestein als Plastiglomerat beschrieben, das entsteht, wenn Plastik in Strandfeuern mit Sand verschmilzt oder mit Lava in Kontakt gerät.

„Faszinierend“, könnte man wie Mister Spock dazu sagen, wenn man auf einem Raumschiff säße und das seltsame Treiben auf einem fremden Planeten beobachtete, bevor man weiterfliegt. Aber es soll Hoffnung geben! Nach einer Untersuchung kann der nur zwei Gramm schwere Antarktische Krill Plastik verdauen. Na ja, eigentlich nicht weiterverarbeiten, sondern nur die Polyethylenkügelchen noch weiter zerkleinern und wieder ausscheiden, sodass das Mikroplastik auch von noch kleineren Planktonlebewesen aufgenommen werden kann. Das könnten schwere Zeiten werden.


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