I. Ch. und die Anderen

Die Autorin Isolde Charim gehört zu den führenden Intellektuellen des Landes. Die Person kennen dennoch wenige. Warum?

MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 11/18   

Foto: Heribert Corn

Es dauert nicht lange, bis Isolde Charim die Stirn runzelt. Alarm schlagen, das klinge so negativ, meint sie in Bezug auf die Kritik an der neuen Regierung. Auch die Bezeichnung „heroisch“ für politischen Widerstand ist ihr nicht recht. Will hier jemand ein berechtigtes Anliegen desavouieren? In den Augenwinkeln sitzt der Schalk, der plötzlich skeptischem Ernst weicht. Es fällt der Philosophin schwer, auf dem Sessel sitzen zu bleiben, die Finger klappern auf dem Kaffeehaustisch. Im Kopf rattern die Rädchen. Provoziert nicht jede Frage eine Vereinfachung?

Seit drei Jahrzehnten gehört Isolde Charim zu den intellektuellen Spitzen der Republik. Im Jahr 2000 organisierte sie auf dem Heldenplatz eine riesige Demonstration gegen die schwarz-blaue Regierung mit. Sie schreibt Kolumnen in der Berliner taz und der Wiener Zeitung und stellt dieser Tage ihr neues Buch vor. Für Rechte ist sie der Inbegriff linken Besserwissertums, auf ihre Kommentare in der konservativen Presse reagierten Leser mit der Zusendung von Klopapier.

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