Viva la Vaginissima

Wir wissen so viel wie noch nie über den weiblichen Körper und seine Sexualität. Warum halten sich trotzdem verstaubte Mythen? Ein Rundumblick, zum Frauentag am 8. März

STADTLEBEN | BARBARA TÓTH | aus FALTER 10/18   

Illustration: Bianca Tschaikner

Worte haben Macht. Warum heißt die Schamlippe Schamlippe? Warum das Jungfernhäutchen Jungfernhäutchen? Und wieso sprechen wir überhaupt von „Vagina“ oder „Scheide“? Ein Blick zurück erklärt es. „Vagina“ heißt im Lateinischen Hülle oder Scheide. Also jenes Stück einer Rüstung, in das der Mann sein Schwert steckt. Aus Sicht eines Anatomen im 16. Jahrhunderts war es wohl naheliegend, den kräftigen, feuchten Muskelschlauch zwischen den Beinen der Frau so zu taufen. Die Frauenbewegung war noch nicht erfunden, Frauen als Ärzte undenkbar, und die Vagina war eben nur ein Loch, eine weitere Körperöffnung, wie geschaffen dafür, das männliche Prachtstück aufzunehmen.

Von der „Scheide“ ist es nicht weit zum „Jungfernhäutchen“, jenem mythenumrankten Stückchen Haut, das nach wie vor auf der ganzen Welt als Inbegriff weiblicher Ehre missverstanden wird. Wie ein Siegel soll es demnach die Scheide der Frau verschließen. Und Bluten soll die Frau beim ersten Mal; tut sie es nicht, sei sie keine Jungfrau gewesen. Nichts davon ist wahr. Weder ist das Häutchen dicht, noch gehört das Bluten automatisch zur „Defloration“, wie das erste Mal altertümlich heißt. Als wäre die Frau eine unschuldige Blume, der man beim Geschlechtsakt ihre Blüten abreißt.

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