Zebrastreifen

Peter Iwaniewicz findet das Zebra nicht kleinkariert

FALTERS ZOO | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 07/18   

Zeichnung: Bernd Püribauer  » zur Tier-Galerie

Der p.t. Chefredakteur hat im Falter ein Zebra entdeckt! Gut getarnt mit seinen 13 schwarz-weißen Streifen weidet es bei den Stiegen im Eingangsbereich. Damit lässt es sich gut von den drei anderen Arten unterscheiden, die man an ihrer Fellzeichnung erkennt: Das Grevyzebra zeigt etwa 80 Streifen, das Bergzebra hat circa 45, das Steppenzebra sogar nur 30.

Lange Zeit dachte man, dass Zebras eigentlich weiß gefärbte Tiere mit schwarzen Streifen wären. Aber in der Embryonalentwicklung zeigt sich, dass das Fell ursprünglich schwarz ist und die weißen Streifen erst danach entstehen, wenn manche Haare ihre Pigmente verlieren.

Seit Darwin rätseln Biologen über den evolutionären Sinn und Zweck dieser Streifung. Dazu gibt es mittlerweile ebenso viele und ebenso unbewiesene Theorien wie zur – physiologisch funktionslosen – Ansammlung von Fettgewebe am Brustkorb weiblicher Homo sapiens.

Die Darwin’sche Vermutung, durch die Streifenzeichnung würden die Umrisse der einzelnen Tiere in der vor Hitze flirrenden Savannenluft für Raubtiere schwerer zu erkennen sein, hält sich bis heute. Zebras werden aber von Löwen viel eher durch ihren Geruch und Lärm geortet. Nach einer anderen Theorie soll die schwarz-weiße Zeichnung polarisiertes Licht reflektieren und dadurch für die Facettenaugen saugender Insekten nicht zu erkennen sein. Aber gerade die krankheitsübertragenden Tsetsefliegen können auch polarisiertes Licht sehen.

Sehr elegant scheint die „Kühltheorie“ zu sein: Da sich die Luft über den schwarzen Stellen stärker erwärmt als über weißem Fell, würde eine kühlende Luftströmung entstehen und die Temperatur an der Körperoberfläche der Tiere verringern. Ob die beobachteten ca. zwei Grad Unterschied zwischen Zebra- und Gazellenrücken der Streifung oder doch eher dem unterschiedlichen Fell geschuldet sind, ist aber unklar.

Interessant ist jedoch, dass alle Versuche, Zebras zu zähmen, dauerhaft fehlschlugen. Sie sehen besser als Pferde und auch erfahrene Cowboys können die blitzschnell reagierenden Zebras nicht mit dem Lasso einfangen. Tierpfleger in Zoos erleiden häufiger Verletzungen durch Zebrabisse als durch Attacken von Raubtieren.

Ebenso wie die anderen Arten zeigt das Falter-Zebra die für manche unangenehme Eigenschaft, jene Dinge, in die es sich verbissen hat, nicht mehr loszulassen.


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