Schwedenbomben unter Palmen

Das komplizierte Firmengeflecht hinter einem Wiener Süßwarenklassiker

GÜNTER HACK   

Foto: Archiv

Eine Sechserpackung Schwedenbomben kostet nur 1,99 Euro, aber wer sie erwirbt, wird Teil eines wirtschaftlichen Netzwerks, das sich von Wiener Neudorf über den Kanton Zug, Bukarest und Malta bis hin zu den Cayman Islands spannt. Auf den Cayman Islands nämlich sitzt das Firmenkonstrukt Oryxa, das – laut Paradise Papers – unter der Kontrolle des Hauses Meinl steht und vom Finanzdienstleister Appleby betreut wird.

Bevor die Schwedenbomben in die Strukturen der karibischen Hochfinanz eingebunden werden konnten, mussten sie erst die Niederungen eines österreichischen Sanierungsverfahrens durchlaufen. 2012 sickerte durch, dass der Schwedenbomben-Hersteller Niemetz in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war. Im Juni 2013 kaufte die Meinl-Firma Heidi Chocolat das Produkt. Nach der Übernahme durch Heidi wurde die Produktion der Schwedenbomben von Wien nach Wiener Neudorf verlegt und eine neue Muttergesellschaft in der Schweiz eingerichtet. Auf Anfrage sagte das Management von Niemetz Schwedenbomben, man zahle seine Steuern in Österreich.

Heidi Chocolat ist eine Tochter der Bukarester Kex Confectionery SA, die wiederum der KEX Confectionery Limited auf Malta gehört, Anteilseigner der maltesischen KEX sind Meinls Cayman-Gesellschaften Oryxa Capital GP Limited und Oryxa Capital LP. Anfragen des ORF bei der Meinl Bank sowie dem in Prag ansässigen Meinl-Investmentfonds nach dem Sinn dieser Strukturen blieben unbeantwortet.

Diese sind so komplex, dass selbst Insider sie nicht immer durchschauen. „Ich verstehe das so, dass Oryxa eine Partnerschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz auf den Cayman Islands ist“, schreibt ein Appleby-Manager im November 2011. „Sie ist Teil der Struktur der Meinl-Gruppe (ich glaube sogar, dass sie an deren Spitze steht, aber ich kann mich auch irren).“ F


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