PR-Experte Peter Puller behauptet, dass ÖVP ihm für Insider-Informationen Geld geboten hat

POLITIK | BARBARA TÓTH, FLORIAN KLENK   

Die Silberstein-Affäre erreicht nun auch die ÖVP. Wie der Falter berichtet, soll der persönliche Pressesprecher von ÖVP-Chef Sebastian Kurz einem Mitarbeiter des Wahlkampfteams von Tal Silberstein, Peter Puller, 100.000 Euro geboten haben, damit dieser Details über die rote Kampagne verrate.
Es wäre das erste Mal, dass der Pressesprecher eines Regierungsmitglieds vertrauliche Dokumente aus der SPÖ-Spitze zu kaufen versuchte.

Die Vorwürfe im Detail:
Peter Puller, der PR-Experte, der für Tal Silberstein die geheime “Spezialeinheit” für Facebook-Dirty Campaigning geleitet hat, bestätigt dem Falter, dass er ein Angebot von der ÖVP hatte, sein Insider-Wissen bereitzustellen. Konkret habe ihm der Pressesprecher von Sebastian Kurz im Juli dieses Jahres die Summe von 100.000 Euro geboten, erklärte Puller dem Falter.

Die ÖVP wusste zu diesem Zeitpunkt, dass Puller für die SPÖ arbeitete – genau genommen arbeitete Puller für Tal Silberstein, der wiederum für die SPÖ arbeitete. Die ÖVP habe ihn dazu überreden wollen, die Seiten zu wechseln.

Es sei dann auch noch zu einem zweiten Treffen gekommen, bei dem er, Puller, das Angebot erhalten habe, als „Spitzel“ zu arbeiten. Puller sagt, er habe beide Angebote abgelehnt. Der Kurz-Pressesprecher bestätigt das Treffen, aber stellt die Dinge anders dar. „Es gab und gibt im Zusammenhang mit den Dirty Campaigning Aktivitäten der SPÖ seitens der Volkspartei weder ein Angebot, noch eine Zahlung an Silbersteins Geschäftspartner Puller oder irgendwen anderen aus Silbersteins Umfeld. Tatsache ist, das Dirty Campaigning wurde von der SPÖ beauftragt, gesteuert und bezahlt. Seit Jänner weisen wir öffentlich darauf hin, dass über Sebastian Kurz recherchiert wird um ihn in weiterer Folge öffentlich anzupatzen. Wir haben immer Silberstein und die SPÖ dahinter vermutet. Silbersteins Partner Puller ist an einige Personen aus dem Umfeld von Kurz heran getreten, um sie gezielt auszuhorchen. Es gab auch einen Kontakt mit einem Sprecher. Dieser hat Puller mit dem Verdacht konfrontiert, er würde für die SPÖ und Silberstein recherchieren. Puller hat dies mit Vehemenz abgestritten und gemeint er arbeite nur für die NEOS. Wir haben das damals geglaubt.“

Gerüchte, dass Informationen aus der SPÖ an die ÖVP gelangt seien, hat es schon seit Wochen gegeben. Die SPÖ spricht davon, einen „Maulwurf“ im Team gehabt zu haben. Konkret gab es zwei Spuren. Die eine führt zu Anna J., einer Übersetzerin im Team Silberstein.
Die Informationen über die “Spezialeinheit” Silbersteins stammen aber aus einer anderen Quelle, direkt aus dem Facebook-Team. Eine von Pullers Mitarbeiterinnen soll die Informantin gewesen sein. Auf welchen Wegen die Informationen an die Öffentlichkeit geraten sind und ob Geld dafür bezahlt worden ist und welche Rolle die ÖVP dabei hatte, wird derzeit untersucht.

Im Verdacht steht nach Falter-Recherchen Anja H., die ebenfalls in der Dirty Campaigning “Spezialeinheit” arbeitete und unter Vertrag mit Silberstein stand. Sie arbeitete auch kurzfristig für eine antiislamistische Plattform („ECI“) des schwarzen Abgeordneten Efgani Dönmez. So lud sie Videos mit Statements von ihm auf Youtube hoch, wie ihr Youtube-Profil zeigt. Dönmez: „Frau H. hat für Peter Puller gearbeitet und dieser für circa 2 Monate für meine Plattform ECI. Von seiner Tätigkeit für andere (Silberstein) wusste ich natürlich gar nichts, sonst hätte ich ihn nicht an Bord genommen“.

Anja H. war am Donnerstagnachmittag für den Falter nicht erreichbar.

Für die Verteilung des kompromittierenden Materials an die Öffentlichkeit soll ein ÖVP-naher Berater zuständig gewesen sein. Dieser dem Falter namentlich bekannte PR-Experte weist die Vorwürfe zurück: „Die mir von Ihnen mündlich entgegengehaltenen Behauptungen meine Person betreffend sind unwahr. Unwahr ist auch, dass ich für irgendwelche Informationen Geld angeboten, gezahlt oder in Aussicht gestellt habe. Ich kenne keine Frau Anna J.. Leute, die anderes behaupten, werde ich klagen.“

Puller erklärt auch den Sinn dieser Facebook-Seiten so: Sie seien zum Abtesten von Themen und Slogans für bestimmte Zielgruppen benutzt worden. Das sei in anderen Wahlkämpfen in anderen Ländern inzwischen üblich, deswegen verstehe er die große Aufregung auch nicht. Tal Silberstein hätte mit SPÖ-Chef Christian Kern über dieses Spezialprojekt nie gesprochen. Bezahlt wurde die Facebook-Werbung für diese beiden Seiten mit dessen, also Silbersteins Kreditkarte.


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