Der Kurzkrimi

Wie Sebastian Kurz die ÖVP übernahm und damit das Ende der großen Koalition besiegelte. Rekonstruktion einer historischen politischen Woche

POLITIK | BARBARA TÓTH, JOSEF REDL | aus FALTER 20/17 | 1 Kommentar   

Foto: Heribert Corn

Jetzt keinen Fehler machen. Nur ja nichts dem Zufall überlassen. Es braucht perfekte Bilder. Der neue Chef soll an diesem Sonntagnachmittag entspannt und frisch zum entscheidenden Parteivorstand in der ÖVP-Parteiakademie im Springer-Schlössl in Wien-Meidling kommen. Natürlich zu Fuß, nicht in der Limousine. Begleitet von seinen beiden Vertrauten, Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer und der EU-Abgeordneten Elisabeth Köstlinger. Deshalb warten Sebastian Kurz, Haslauer und Köstlinger jetzt in der Bischoffsgasse abseits des Trubels. Von hier sind es genau 400 Meter zur Parteiakademie, sie müssen einmal rechts abbiegen, dann ein Stück bergauf schlendern. Kurz trägt sein Standard-Politikerkostüm. Dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, krawattenlos, Haare brav nach hinten gebändigt, makellos mattierter Teint. Kurz vor 16 Uhr geht er los. Sein Kameramann filmt seine Schritte von hinten. Sein Leibfotograf läuft voraus und fängt die Szene von vorn ein. Kurzer Halt, Klick, danke, jetzt bitte weitergehen.

Mit diesen Bildern wird Kurz später auf all seinen Kanälen seine Version der Ereignisse der vergangenen Woche erzählen. Es ist die Geschichte einer Partei, die sich einem neuen, jungen, unverbrauchten Messias dankbar vor die Füße wirft, erlöst von ihren alten Lasten, den verstaubten Strukturen aus Bünden und Ländern, befreit von ihren Sünden, den Kompromissen in der ungeliebten großen Koalition.

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