Lebt wohl!

Peter Iwaniewicz meint, die Natur ist im Kleinen am Schönsten

FALTERS ZOO | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 11/17   

Zeichnung: Bernd Püribauer  » zur Tier-Galerie

Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Fantasie“. Dieser Aphorismus des deutschen Schriftstellers Erich Kästner ist im beginnenden Frühjahr besonders aktuell. So besitzen etwa 300.000 Österreicher knapp eine Million Schusswaffen. Diese Gewehre und Pistolen haben aber einen gravierenden Nachteil, sie helfen nicht gegen Insekten und Spinnentiere.

Leider liegen zur zivilen Aufrüstung gegen sechs- und achtbeinige Gefahren keine amtlichen Daten vor. Das wundert doch etwas, denn es sollen bis zu zehn Prozent der Bevölkerung unter Spinnenangst leiden. Rechnet man dazu noch die Gruppen der Zwangshygieniker („Diese Fliegen waren bestimmt auch auf Hundekot“), Allergiker („Ich schwelle schon an, wenn ich ein Honigbrot nur sehe“) und Ästheten („Farblich gehen Motten gar nicht auf einem Eames Lounge Chair“), dann gibt es wahrscheinlich in jeder Familie Betroffene.

Technologisch hat sich seit dem eher steinzeitlichen Zerdrücken zwischen den Fingern im Bereich des Insektenmanagements einiges getan. Methodisch kann man zwischen Fängern, Saugern, Klatschern, Sprühern und Bruzzlern unterscheiden, wobei der Trend erfreulicherweise zu zerstörungsfreien Geräten tendiert. Sehr angesagt ist zur Zeit „Snapy“, ein Fanginstrument, das nach dem Papier-unter-Becher-Schieben-Prinzip funktioniert. Spiel und Spaß verspricht auch der „Spidercatcher“, mit dem man wirbellose Tiere zwischen langen Bürstenhaaren einklemmt. Arachnophobiker seien vor der „Übungsspinne“, die im Set enthalten ist, jedoch gewarnt. Der elektronische Spinnenfänger von Noa erinnert im Design an ein Produkt aus dem Erotikmarkt und will mittels „Suck Booster“ Insekten einsaugen. Steife 16 Euro ohne Batterien.
Anti-Spinnen-Sprays bestehen zu 99 Prozent aus Wasser und kosten dafür feuchte 22 Euro je Liter. Ein zufriedener Kunde weist darauf hin, dass man bei Anwendung im Freien nie gegen den Wind spritzen sollte. Schlau.

Der „Spinnenvernichter“ hingegen wirbt damit, dass er „Nervensysteme zerstört“. Der Wirkstoff Permethrin ist in Österreich seit 2000 nicht mehr als Pflanzenschutzmittel zugelassen, aber für den Nahkampf erlaubt.

Die Hochspannungs-Bruzzler töten hauptsächlich seltene Nachtfalterarten, wobei sich die Besitzer bei unsachgemäßen Servicearbeiten öfters selbst anbraten.

Mein Tipp: Wählt die Fantasie, nicht die Angst! F


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