Wie durchsichtig ist Beton?

Wenn Architektur zum Politikum wird: Der brutalistische Bau des Kulturzentrums Mattersburg erzählt eine Geschichte von Sichtbeton und Intransparenz und vom Selbstverständnis der Sozialdemokratie

MAIK NOVOTNY | aus FALTER 07/17   

Foto: Kulturzentrum Mattersburg

Unser Ziel: dem burgenländischen Raum jene kulturellen, bildungspolitischen und gesellschaftlichen Möglichkeiten zu geben, die bisher nur in Großstädten zur Verfügung standen. Den Grundsätzen einer freien und offenen Gesellschaft folgend, stehen die Burgenländischen Kulturzentren für eine freie Meinungsbildung.“ Diese so hehren wie klaren Worte wurden vor über 40 Jahren formuliert. Ihre Urheber: Unterrichtsminister Fred Sinowatz und Gerald Mader, Landesrat im Burgenland.

Es waren vor allem diese beiden Politiker, die sich in den 1970er-Jahren vorgenommen haben, dem Bundesland am Eisernen Vorhang einen Schubs in die Gegenwart zu versetzen. Bis dahin, so erzählt man, war die einzige Möglichkeit kultureller Teilhabe ein Bus, der einmal im Monat nach Wien fuhr und Kulturinteressierte zu Burgtheater und Staatsoper brachte. Die sozialdemokratische Offensive für den ländlichen Raum sollte jedoch nicht der reinen Hochkultur dienen, sondern auch der lokalen Kultur ein Zuhause bieten: Gesangsverein und Brauchtum neben Brahms und Beethoven. Sichtbares Zeichen: fünf neue, moderne Kulturzentren.

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