Das Gift der Liebe

Empathie gilt als moralisches Ideal. Doch sie hat auch gefährliche Seiten. Kulturwissenschaftler Fritz Breithaupt über die Gefühle von islamistischen Terroristen, Klatsch und den Hass auf Flüchtlinge

MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 06/17   

Foto: Nilufer Demir / AFP / picturedesk.com

Verwundert kratzte sich der Kulturwissenschaftler Fritz Breithaupt, 49, am Hinterkopf. Verspürte er tatsächlich so etwas wie Empathie für Donald Trump? Im Zuge des Wahlkampfs für das Präsidentenamt verfestigte sich das spontane Gefühl. Obwohl dem in den USA lehrenden deutschen Literaturwissenschaftler der republikanische Kandidat zuwider ist, ertappte er sich dabei, dass er in dessen rhetorischen Ringkämpfen mitfieberte. Wie wird Trump auf den nächsten Vorwurf reagieren? Wird er zu Boden gehen?

Empathie ist etwas Schönes. Für viele ist sie die Voraussetzung für den Weltfrieden, der psychische Motor der Willkommenskultur. Ex-Präsident Barack Obama sprach vom „Empathie-Defizit“ unserer Epoche, das es auszugleichen gelte. Evolutionsbiologen wiesen nach, dass sich Affen die Banane teilen. Filmkritiker heben den Zeigefinger, wenn die Regie keine Empathie für die Helden erkennen lässt. Wehe, wenn sich Mitarbeiter nicht für ihre Kollegen interessieren. Wer keine Empathie zeigt, gilt als Monster.

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