Mit Bierkisten gegen das Dorfsterben

Die Architekten von nonconform haben sich auf die Wiederbelebung von Dörfern spezialisiert. Ihre Erkenntnis: Auf dem Land ist man viel progressiver, als man glauben mag

MAIK NOVOTNY | aus FALTER 04/17   

Foto: Nonconform

Hans-Peter Bock, der Bürgermeister von Fließ, hatte ein Problem. Das Ortszentrum der 3000-Seelen-Gemeinde im Tiroler Bezirk Landeck lag im Sterben. Die Wirtshäuser hatten eines nach dem anderen zugesperrt, der letzte Greißler auch. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von 800 bis 1580 Höhenmeter und besteht aus 99 verstreuten Weilern. Die Alten, die in abgelegenen Höfen wohnen, schafften es ohne Auto nicht in den Ortskern und vereinsamten. Zwar ist Fließ keine schrumpfende Gemeinde, doch diese Probleme teilte es mit vielen anderen in Österreich. In kleineren Orten kann schon das Fehlen eines wesentlichen Grundzubehörs – Post, Markt, Wirtshaus – das Gemeindeleben gefährden.

Auch der Bürgermeister von Zeillern im Mostviertel hatte ein Problem. Man nannte sich zwar „Wohlfühlgemeinde“, aber von diesem Label konnte man sich nicht viel kaufen. Es gab kaum Gewerbe, dafür ein Schloss, das zwar schön, aber teuer war, eine Kirche, die schwer zugänglich war, zwischen Schloss und Kirche gab es nichts, und der Dorfplatz war längst dem Durchgangsverkehr zum Opfer gefallen. Ohne bereits existenzgefährdet zu sein, musste man sich langfristig doch fragen: Was ist unsere Identität, und wo wird sie sichtbar? Die Antwort, das war klar, konnte nicht einfach nur ein neues Marketinglabel sein.

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