Der Wiener Deckmantel

Einer der umstrittensten Spielervermittler Europas wickelt seine Geschäfte über eine österreichische Briefkastengesellschaft ab

JOSEF REDL / EIC.NETWORK   

Foto: Belga image, Heribert Corn

Susanna Gemeiner ist eine vielbeschäftigte Frau. Laut Firmenbuch übt sie mehr als 80 Funktionen aus. Sie bekleidet Vorstandsmandate in zahlreichen Privatstiftungen, ist Geschäftsführerin von Unternehmen mit fantasievollen Namen wie Aviella Trading and Services, Great Mountains oder Titan Oil Trading. Kaum eines dieser Unternehmen verfügt über eine Website oder hat sonst nennenswerte Spuren einer Geschäftstätigkeit hinterlassen. Die allermeisten dieser Gesellschaften sind an der Adresse Börseplatz 4 in der Wiener Innenstadt registriert.

Die Anschrift genießt einen einschlägigen Ruf in der Wiener Wirtschaft. Und das nicht, weil gegenüber bis Ende der 1990er-Jahre die Wiener Börse untergebracht war. Am Börseplatz 4 hat sich eine Reihe von Wirtschaftstreuhändern auf eine besondere Dienstleistung spezialisiert: Sie gründen und verwalten Gesellschaften und Stiftungen im großen Stil. Die Firmen existieren in erster Linie nur auf dem Papier. Die Kunden sind oft Menschen, die nicht selbst in Erscheinung treten wollen – oder dürfen. Auf Diskretion wird offensichtlich Wert gelegt, nicht nur was die Identität der Kunden betrifft. Auch einige der Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder, die am Börseplatz werken, verzichten auf jede Form von Internetpräsenz. Unter der im Handelsgericht bei etlichen Firmenkonstruktionen angegebenen Telefonnummer meldet sich eine „Bürogemeinschaft“.

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Diese Geschichte entstand aufgrund der Football-Leaks-Dokumente, die das deutsche Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL erhalten und an die European Investigation Collaborations weitergegeben hat.

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