Die 20 Tage des Dogen

Im Supersense in der Praterstraße gibt’s ein sehr kurzes, sehr gutes Pop-up

FLORIAN HOLZER | aus FALTER 48/16   
Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Vom Supersense in der Praterstraße wurde hier schon berichtet, als es aufmachte (im Sommer 2014), und ein paar Mal, wenn es um guten Kaffee oder lässige Kombinationen aus Shop und Café ging. Auch der Matthias Zykan war schon mehrfach genannt, zuletzt etwa diesen Sommer, als sein famoses Bangkok BBQ im Volksgarten vorgestellt wurde oder als er im Sommer 2013 ein paar Wochen lang eine aufgelassene Modeboutique im Oppenheimer’schen Haus „Zur Brieftaube“ Pop-up-mäßig mit venezianischen Kleinigkeiten bekochte.

Falter-Erwähnungen sind aber nicht die einzige Querverbindung zwischen den beiden, 2009 bekochten sie schon einmal gemeinsam den wöchentlichen „Winterpavillon“-Event und außerdem planen sie gerade ein sehr, sehr interessantes gastronomisches Projekt an einer fantastischen Location, das nächstes Jahr starten soll, das ist aber noch nicht ganz in trockenen Tüchern.

Daher einstweilen: „Pop-up für Erwachsene“, wie Zykan sein 20-tägiges Gastspiel im Supersense bezeichnet, für Erwachsene deshalb, weil die lustigen Sachen, die er da in einer provisorischen Küche zubereitet, mitunter ein bisschen schräg, speziell oder besonders sind. Zum Frühstück etwa „arges Ei“, ein nicht alltägliches Eigericht, das Zykans momentaner Gesinnung entspringt, oder „KaterKillerKarpfen“, worunter man sich höchstwahrscheinlich etwas eher Scharfes aus dem Karpfenteich vorstellen muss.

Apropos Karpfenteich: Mit von der Partie ist nämlich auch Christiane Kada, mit der Zykan erstens gemeinsam Kunst studierte und die zweitens mit ihren Geschwistern gemeinsam das Gut Hornegg in der Weststeiermark führt, eine der ältesten und besten Bio-Fischzuchten Österreichs. Was sich dann zum Beispiel auch in einer sagenhaften Fischbeuschelsuppe äußert (die es ab Mittag gibt), eine klare, kräftige Suppe, die Zykan aus geräucherten Karkassen kocht, mit Leber, Milchner und was halt sonst noch so an Gekröse im Karpfen und im Amur drin ist. Wahnsinnig gut (€ 5,–/10,–). Auch schon mittags gab’s dann noch ein Rehcurry mit Basmati-Reis, eine Art asiatisches Rehgulasch mit Limonenblatt, dunkel, mürbe und großartig (€ 10,–) und eine Beinschinken-Quiche, sehr klassisch, nicht zu geil, oben schön angeknuspert, mit kleinem Radieschen-Vogerlsalat (€ 10,–).

Gegen Nachmittag wird das Angebot noch vielfältiger, da bekommt man dann auch äußerst luftig-knusprige Grammeln mit den letzten Wildkräutern der Saison von der Ausnahmegärtnerei Bach (€ 5,–), gepresste Schweinsohren mit Minze, Rehleberkäse, Räucheramur mit Roten Rüben und Sachen, die sich wunderbar zum Bierol-Bier oder zu den Tschida-Weinen knabbern lassen, Salzmandeln mit Oliven etwa oder selbstgebackenes Altwiener Käsegebäck mit reichlich Kümmel. Niemand soll sagen, dass er zum Punschstandl musste, weil es nichts anderes gab.

Resümee:

Das beste vorweihnachtliche Kulinarik-Pop-up an einem wunderbaren Ort mit gepressten Ohren und Fischbeuschelsuppe.

Der kurze Doge
2., Praterstr. 70
bis 22.12. Di–Sa 9.30–23 Uhr
www.der-kurze-doge.supersense.com


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