Das gute Brot

Die Welt ist schlecht. Im CinCin Buffet gibt’s Trost bei Porchetta und Spumante

FLORIAN HOLZER | aus FALTER 46/16   
Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Wenn man Maria Fuchs fragt, was denn die Motivation sei, nach einer extrem erfolgreichen Pizza Mari’, einem extrem erfolgreichen Disco Volante und einem wunderbaren Italo-Supermercato Supermari’ noch ein Lokal zu machen, sagt sie ganz pragmatisch, „ein Lokal mit Tagesgeschäft“. Und legt dann etwas weniger pragmatisch nach, „… und etwas zu machen, das es in Wien noch nicht gibt“.

Und das ist noch nicht einmal
die Hälfte der Geschichte, denn tatsächlich ist Maria Fuchs’ neues CinCin Buffet natürlich wieder eine Hymne an den italienischen Lebensstil, die italienische Genusskultur und die unvermeidliche Vermischung dieser beiden.

Dazu kam, dass Maria Fuchs nicht nur Lust hatte, nach der Pizza nun des Italieners sehr speziellen Zugang zum Jausenbrot zu thematisieren, sondern dass sie auch noch das Glück hatte, ein kleines Lokal dafür im 1940 gebauten Kuppitsch-Haus zu finden, bzw. nicht nur eines, sondern gleich zwei. Und vor allem, dass sich Hermann Czech bereit erklärte, das Lokal zu gestalten. Den möchte ich sehen, der da nicht auch noch ein viertes Lokal macht …

Kurz gesagt: Es wurde wunderschön. Das CinCin Buffet sieht – obwohl es noch nicht einmal ganz fertig ist – so aus, als wäre es schon immer da gewesen, Czech nahm die Anmutung dieses Spätvierziger-Hauses mit ins Lokal hinein, mit den schwarz-weißen Marmorfliesen, dem Leuchtstoffröhrenluster, den perforierten Funkhausplatten, und zeigt wieder einmal meisterlich, wie man auch kleinste Räume licht und offen machen kann. Tolle Atmosphäre.

Die Recherche für das Lokal hätte Jahre gebraucht, verrät Maria Fuchs, in Italien Brote verkosten, Bäcker suchen, die solche Brote backen können (sobald die Genehmigungen da sind, wird nebenan selbst gebacken), mit Fleischhauer Markus Dormayer an der Porchetta (eine Art Spanferkelrollbraten, der dünn aufgeschnitten wird), mit Fleischhauer Otmar Tschürz an der Fenchelsalami arbeiten, die passenden Getränke suchen, … Aber dafür ist das CinCin Buffet jetzt der lässigste Imbiss, den Wien hat – und das ganz ohne Pulled Pork, Pastrami und Burger. Dafür mit „Mantovana“, einem staubtrockenen, irrsinnig italienischen Semmerl, das mit fetter Porchetta oder Mortadella eine köstliche Symbiose eingeht (€ 3,50), oder „Schiacciata“ („Zerdrückte“), Sauerteigfladenbrot, das mit wahlweise Schinken/Wurst, Käse und einem Gemüseaufstrich gefüllt und dann im Toaster flachgepresst wird – weinen mag man vor Glück (€ 5,–). Kaffee gibt’s übrigens für einen Euro, der Sprudel stammt aus Franciacorta, wird nach Champagner-Methode hergestellt, schmeckt göttlich und kostet die Hälfte vom Franzosen (€ 5,–). Und das Soda für den Campari schießt aus einer Sodapistole, wie es sie sonst nur im Camparino in Mailand gibt. Alles wird gut.

Resümee:

Ein so wunderbares Buffet, so hübsch, so gut, so entspannt, so preiswert, dass man sich fragt: Wieso erst jetzt? Und wieso nur eines?

CinCin Buffet
1., Schottenbastei 2
Mo–Fr 7.30–20 Uhr
cincinbuffet.at


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