“Wo bleibt der Starkstrom, wenn man ihn braucht?”

Strache und der Mob im Netz: Die Justiz ist weniger machtlos, als man denkt. Wie man sich gegen Facebook-Postings wehrt

MEDIEN | FLORIAN KLENK | aus FALTER 42/16   

Ich wäre drüber gefahren”, sagt Miriam Lewitschnig. “A gstreckte linke in die pappn, dem sau gfrast”, fordert Constanze Hügelsberger, die sich auf ihrer Facebook-Seite mit einem Kätzchen präsentiert, und zwar als “hilfsbereit und humorvoll”.”Ich bremse nicht führ schein Flüchtlinge”, postete Andreas Miemczyk aus Polen. Und der junge Tiroler Daniel Hohlbrugger fragt: “Wo bleibt der Starkstrom, wenn man ihn mal braucht?” Der Gitarrist der Tiroler Band Die Sellraintaler, Gerhard Pferschy, stimmt zu: “Strohmschlag währe gut.”

Über tausend solcher Postings, die meisten gehässig und voller Zynismus, waren vergangene Woche zu lesen. Der Grund für den Schwall an Hass und Zynismus war ein von einer Passantin aufgenommenes Video, das FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache lakonisch mit den Worten “Fassungslos!” postete und das danach zehntausendfach geteilt und tausendfach kommentiert wurde.

Der kurze Film zeigte einen psychisch kranken Mann, vermutlich Syrer, vermutlich Asylwerber, der sich in der Absberggasse in Favoriten umzubringen versuchte. Er legte sich vor eine Straßenbahn, sprang auf die Kühlerhaube eines Autos, kletterte danach wieder auf das Dach der Bim und griff in Richtung der Hochspannungsdrähte. Wie durch ein Wunder überlebte der verwirrte Mann, der -so behauptete es ein Bekannter des Syrers -angeblich gerade erfahren hatte, dass seine Familie im Krieg zu Tode gekommen war. Die Polizei fixierte ihn und brachte ihn auf die Psychiatrie.

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