Welcome to Pixendorf!

Greißler, Blumenhändler, Bäckereien, Cafés: alles weg. Mit einer klugen Aktion warnen drei niederösterreichische Künstler vor der schleichenden Dorfverödung

LANDLEBEN | BARBARA TÓTH | aus FALTER 27/16   

Foto: Christopher Mavric

Foto: Christopher Mavric

Natalie Deewan wiegt das kleine f in ihrer Hand. Es ist schwer, sehr schwer. Im Jahr 1923 wurde es aus Zement gegossen und über den Eingang der Kaffeesiederei Blumensträußl in Grein an der Donau genagelt. Dann hatte der Schriftzug ausgedient, ein neuer, schmiedeeiserner sollte her. Das kleine f landete mit allen anderen Lettern in einem Karton auf dem Dachboden. Jetzt wird es gleich den ersten Buchstaben des Wortes „fernversorgerin“ bilden, das Natalie Deewan gerade am Beginn der kühn geschwungenen Unterführung des Bahnhofs Tullnerfeld montiert.

Es ist ein mächtiges Gebäude, das mit seinen acht Gleisen und 1200 Parkplätzen mehr wie ein Flughafen als ein Regionalbahnhof aussieht. 5000 Pendler nutzen ihn täglich, rühmt sich die niederösterreichische ÖVP. Dörfer in der Umgebung wie Pixendorf, Michelhausen und Atzelsdorf liegen seit 2012 nur mehr 21 Minuten Bahnfahrt vom Wiener Hauptbahnhof entfernt. Die Regionalzüge nach Hütteldorf schaffen die Strecke sogar in elf Minuten. Wer am Wiener Heuberg oder über der Donau in Jedlesee lebt, braucht länger in die Stadt.

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