Warum haben alle Flüchtlinge Handys?

Wer in der Asyldebatte fair und überzeugend argumentieren will, braucht Fakten und Zahlen. Wir haben sie zusammengetragen

BENEDIKT NARODOSLAWSKY, FLORIAN KLENK, NINA BRNADA, NINA HORACZEK, TOBIAS SCHMITZBERGER | aus FALTER 32/15 | 38 Kommentare   

Illustration: Bianca Tschaikner

Illustration: Bianca Tschaikner

1. Wer lebt da eigentlich in Traiskirchen auf der Straße?

In Traiskirchen lebten zu Beginn der Woche 4500 Asylwerber. Für Mittwoch ist ein Aufnahmestopp angekündigt. Denn das Lager, eine ehemalige Kaserne, ist für maximal 1820 Personen vorgesehen. Die Aslywerber stammen vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Im Jänner beantragten mit 1065 besonders viele Kosovaren Asyl. Bald darauf jedoch ebbte dieser Strom ab – im Juni gab es aus dieser Gruppe nur noch 35 Asylanträge. Laut Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck sind 1800 der 4500 Asylwerber, die derzeit in Traiskirchen untergebracht sind, unbegleitete Minderjährige, alles Burschen. Bis vor kurzem waren dort auch alle unbegleiteten Mädchen, mittlerweile werden diese 20 Minderjährigen aber in Wien betreut. Überhaupt sind Männer unter den Antragstellern in der Überzahl. So haben in der ersten Jahreshälfte exakt 28.311 Personen um Asyl angesucht, davon war nur jede fünfte eine Frau. Über eine statistische Erfassung des Alters der Asylwerber verfügt das Innenministerium nicht.

2. Wer ist schuld an der Traiskirchen-Misere?

Juristisch ist die Sache klar: die Landeshauptleute, die nicht ausreichend Plätze geschaffen haben, obwohl dies eine Bund-Länder-Vereinbarung vorschreibt. Die jüngsten Auftritte von Erwin Pröll in der ZiB 2, wo er sich schuldlos gab, sind demnach Heuchelei. Niederösterreich erfüllt, so wie die meisten Bundesländer, die Quote nicht (siehe Grafik Seite 9). Politisch versagt hat Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), weil sie sich auf die absehbaren Flüchtlingswellen zu wenig vorbereitet hatte und über Monate hindurch keine politischen Lösungen vorwies, sondern sich nur im vorhandenen rechtlichen Rahmen bewegte. Wie auch die Regierungsspitze, die sich Ende Juni zu einem sogenannten Asylgipfel traf und dabei nichts zusammenbrachte. Und auch jene Bürgermeister, die sich weigern, Asylwerber in ihren Gemeinden aufzunehmen.

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