Die gefällte Erinnerung

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein (1899–1951) vollendete seinen berühmten „Tractatus“ in der Villa seines Onkels. Nun droht das Kulturdenkmal in einer Wohnsiedlung zu verschwinden

JULIANE FISCHER | aus FALTER 24/15   

Foto: akg-images / picturedesk.com

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Die Villa liegt in dem kleinen Ort Oberalm bei Hallein, keine halbe Stunde Fahrzeit von Salzburg entfernt. Im Leben des Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein spielte sie eine wichtige Rolle. Das im Volksmund als Fischer-Villa bezeichnete Haus gehörte der Wiener Familie Wittgenstein, genauer gesagt Paul Wittgenstein oder auch „Onkel Paul“, wie er von allen genannt wurde. Hier arbeitete der junge Philosoph an seinem Hauptwerk, wodurch der Ort eine kulturhistorische Bedeutung bekommt. Seit die Eigentümerin die Absicht äußerte, die Villa abzureißen, gehen die Wogen hoch. Verliert das Land ein steinernes Dokument von Weltrang?

Europa 1918. Der Kontinent brennt. Im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs bekommt Ludwig Wittgenstein Fronturlaub. Seit sechs Jahren schreibt der damals 29-jährige an seinem Werk, der „Logisch-philosophischen Abhandlung“, in der Oberalmer Villa will er sie fertigstellen. In Briefen an seinen Lehrer und Mentor Bertrand Russell hatte er mehrmals Zweifel geäußert, ob es jemals dazu kommen würde: „Wenn ich das Ende dieses Krieges nicht mehr erlebe, so muss ich mich darauf gefasst machen, dass meine ganze Arbeit verloren geht.“

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