Nichts ist wahr. Alles ist möglich

Sogenannte „alternative Medien“ werden in Deutschland und Österreich immer beliebter. Sie nähren Zweifel an der offiziellen Berichterstattung über die Ukraine. Wer sind sie, und was wollen sie?

SIMONE BRUNNER | aus FALTER 07/15 | 8 Kommentare   

Illustration: Katinka Reinke

Illustration: Katinka Reinke

André Keller sitzt in einem Partykeller im achten Wiener Bezirk. Irgendwann zwischen seinem Bier und seiner Zigarette lässt er den Satz fallen: „Ich träume von der Million.“ Nicht etwa finanziell, sondern in Klicks.

So unrealistisch ist das gar nicht. Im Herbst 2013 hat Keller das „Contra-Magazin“ gegründet, um zu „schreiben, was der Mainstream verschweigt“, wie auf der Facebook-Seite steht. „Weil wir nicht zufrieden sind, wie das abläuft – mit der EU, aber auch mit der Ukraine-Krise“, wie er sagt. Und das kommt sichtlich gut an: Bis zu 300.000 Zugriffe hat die Seite laut Keller inzwischen pro Monat – Tendenz steigend.

Keller ist ein fülliger Mann Anfang 40, Taxifahrer und gelernter Elektriker. „Wir haben das Internet, und das können wir sinnvoll nutzen – und nicht nur Katzenfotos liken.“ Keller ist nicht sein richtiger Name. Keller schreibt unter Pseudonym, wie viele in der Szene. Heute treffen sich Keller und andere zu einem „alternativen Medienstammtisch“ in der Wiener Innenstadt. „Sie lügen wie gedruckt“, steht in der Einladung im Internet. „Sie“, das sind die „Mainstream-Medien“, die „Systemmedien“, die „Lügenpresse“. „Unabhängig, unbestechlich, unzensiert“, das ist hingegen das Motto des „Contra-Magazins“. Gegen das Establishment, „contra“ eben.

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