Die Brühe

Kaffee erlebt derzeit in der ganzen Welt einen enormen Qualitätsboom. Nur in Wiens Kaffeehäusern nicht. Dort ist er erbärmlich. Warum ist das so?

STADTLEBEN | FLORIAN HOLZER | aus FALTER 45/14 | 8 Kommentare   

Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Man sagt hier Mokka, auch wenn man Espresso meint. Okay. Der Ober balanciert das silberne Tablett mit den sympathischen Gebrauchsspuren an den kleinen Marmortisch, darauf die vorgewärmte Tasse mit der bestellten braunen Flüssigkeit und ein Glas Wasser, serviert behände, mit elegantem Schwung. Johanna Wechselberger führt die Tasse zur Nase, fühlt die Temperatur der Keramik, schnuppert. Dann neigt sie das Gefäß hin und her und beobachtet, wie sich die Crema des Heißgetränks verhält. Stabil? Fragil? Hell oder dunkel? Das Gesicht der Frau nimmt sorgenvolle Züge an, noch einmal schnuppern, erster Schluck – Johanna Wechselberger kneift ihre Augen zusammen, verzieht den Mund, eine bittere Erfahrung. Dieser Espresso macht ihr ganz offensichtlich keinen Spaß.

Aber da muss sie durch, denn sie ist Kaffeeexpertin und wir wollen jetzt endlich einmal wissen, woran es liegt, dass uns das Getränk, das der Wiener Institution Kaffeehaus seinen Namen gibt, genau dort so selten schmeckt.

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8 Kommentare zu “Die Brühe”

Stefan Antonik-Seidler, 7. November 2014: Gratulation zum Titelfoto! Sehr sympathisch. Empathisch. Cafés sind meine Büros. Ein Grund, ein Kaffeehaus zu meiden, ist, neben technischen Mängeln, der Instinkt - den ich vermutlich auf Städtereisen entwickelte - gerade berühmte Tourist_innenmagneten oder Cafés mit zuviel Kultstatus, die Müsse wäre, wie die von Ihnen getesteten, zu vermeiden. Wenn's altehrwürdig oder kultig aussieht und zuviele Leut drinnen sitzen... So lässt sich auch eine überteuerte Brühe leicht umgehen.

Markus Katzenschläger, 7. November 2014: Kaffeehauskultur in Wien impliziert leider fast nie auch Kaffeekultur. Für einen wirklich guten Espresso (bei Milchkaffee ist´s wurscht) meide man die traditionellen Kaffeehäuser und suche eine Rösterei seines Vertrauens auf. Aber solange Touristen und Einheimische nicht wegen der Kaffeequalität (so sie eine solche überhaupt einzuschätzen in der Lage sind), sondern wegen der angegrauten Patina und den patzigen Kellnern ins Kaffeehaus gehen, wird sich leider nichts ändern.

Markus Katzenschläger, 7. November 2014: Das Bild zu diesem Artikel sagt mehr als tausend Worte!

wolf andreykow, 10. November 2014: Kleiner Einwand: Das mit der Milch haut leider auch nicht hin, die ist im wiener Kaffeehaus notorisch überhitzt und macht die Brühe noch erbärmlicher. Leider...

Stefan Steger, 11. November 2014: ...man hätte es nicht besser sagen können! Am 27.November kann man sich im Stadtkino gleich von der 3.Welle des Kaffees ein großartiges Bild machen. Kleine Spezialitätenröster und Coffeeshops, denen die Qualität das oberste Gebot sind. Wenn die Konsumenten mehr protestieren, dann kann sich auch eine neue Kaffeekultur langsam einstellen. Die Hoffnung lebt! :)

Rudolf Hochholzer, 11. November 2014: Kleiner Kritikpunkt: nur, weil viele der traditionellen Kaffeehäuser in Wien keine Ahnung oder kein Interesse an guten Espressi haben, muss man nicht unbedingt nur auf "3rd Wafe" als einzig mögliche Alternative verweisen. Nicht jede/r mag die eher säurelastigen, hellen Röstungen der 3rd Waver, ich auch nicht. Für mich z.B. darf die Bohne durchaus italienisch dunkel geröstet sein, alle anderen angeführten Qualitätsmerkmale sind jedoch Voraussetzung für guten Espresso.

Stefan Antonik-Seidler, 15. November 2014: Zu eigenen Testzwecken bestellte ich in zwei meiner Lieblings-Kaffeehäusern letztens Espresso. Jelinek und Drechsler. Nach Geschmack und in diesem Artikel aufgelisteten Kriterien versagten sie alle. Den besten Espresso trank ich unlängst im Ristorante "La Scala".

Christoph Sedlak, 1. Dezember 2014: Das kleine Café beim Eingang ins Q19. Cappuccino. Ausprobieren!

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