Die Brühe

Kaffee erlebt derzeit in der ganzen Welt einen enormen Qualitätsboom. Nur in Wiens Kaffeehäusern nicht. Dort ist er erbärmlich. Warum ist das so?

STADTLEBEN | FLORIAN HOLZER | aus FALTER 45/14 | 8 Kommentare   

Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Man sagt hier Mokka, auch wenn man Espresso meint. Okay. Der Ober balanciert das silberne Tablett mit den sympathischen Gebrauchsspuren an den kleinen Marmortisch, darauf die vorgewärmte Tasse mit der bestellten braunen Flüssigkeit und ein Glas Wasser, serviert behände, mit elegantem Schwung. Johanna Wechselberger führt die Tasse zur Nase, fühlt die Temperatur der Keramik, schnuppert. Dann neigt sie das Gefäß hin und her und beobachtet, wie sich die Crema des Heißgetränks verhält. Stabil? Fragil? Hell oder dunkel? Das Gesicht der Frau nimmt sorgenvolle Züge an, noch einmal schnuppern, erster Schluck – Johanna Wechselberger kneift ihre Augen zusammen, verzieht den Mund, eine bittere Erfahrung. Dieser Espresso macht ihr ganz offensichtlich keinen Spaß.

Aber da muss sie durch, denn sie ist Kaffeeexpertin und wir wollen jetzt endlich einmal wissen, woran es liegt, dass uns das Getränk, das der Wiener Institution Kaffeehaus seinen Namen gibt, genau dort so selten schmeckt.

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